Stockrosen in Mauerrietzen und auf Baumscheiben: Gegenüber vom Bundeskanzleramt und in der Schlüterstraße. Nur bei mir wollen sie nicht wachsen. Fotos: Petra A. Bauer 2016

Petras Gartenkolumne: Gärtnerlust – Gärtnerfrust

Als wir vor 23 Jahren in unser kleines Siedlungshaus mit dem großen Garten zogen, gab es hier rund 600 Quadratmeter NICHTS. Ganz hinten auf dem Grundstück stand ein alter Schuppen, der damals schon ziemlich baufällig war, aber noch knapp 20 Jahre als Unterstand für Rasenmäher und Gerümpel diente. Fotos von diesem leeren Garten besitze ich offenbar nicht mehr.

Eine Reihe Sonnenaugen-Stauden wucherte mitten auf dem Rasen vor sich hin. Ferner war da noch ein Walnussbaum, der heute noch ein wichtiger Schattenspender ist, weil wir es im Hochsommer sonst im Garten nicht aushalten würden. Zwei 50 Jahre alte Apfelbäume gab es (einer davon windschief) und einen ebenso alten Birnbaum. Im Vorgarten wuchs Gras und direkt neben dem Weg zum Haus eine Reihe Rosen, die diversem Besuch die Klamotten zerrissen.

Nachdem sogar ein Anzug durch Rosenangriff draufgegangen war, pflanzte ich die Rosen nach hinten in die Waschbetoncontainer an die Waschbetonterrasse. Das war genau so hässlich, wie es klang. Und unpraktisch obendrein. Die Vorbesitzer hatten nämlich zum Garten keine Terrassentür, sondern nur ein Fenster. Als wir aus dem Fenster eine Tür machten, mussten wir anfangs von dort auf die Terrasse springen. Die begann nämlich erst deutlich weiter rechts. Schließlich bauten wir ein kleines Podest aus Holz, denn ganz ungefährlich war die Hüpf-Aktion nicht.

Die Rosen hatten die Umpflanzaktion übrigens nicht überlebt – dafür wuchs Immergrün in Hülle und Fülle im Container. Ich glaube, das war es an Garten-Altlasten, die wir übernommen haben. Ach, nein, ich vergaß eine Rhabarberstaude am Gartenzaun, sowie drei zu tief eingepflanzte Pfingstrosen (die deshalb auch in all den Jahren nie blühten), zwei Zuckerhutfichten (eine hinten, eine vorne) und natürlich der Eschenahorn im Vorgarten, über den ich letztens berichtete.

Stockrosen in Mauerritzen und auf Baumscheiben: Gegenüber vom Bundeskanzleramt und in der Schlüterstraße. Nur bei mir wollen sie nicht wachsen. Fotos: Petra A. Bauer 2016

Stockrosen in Mauerritzen und auf Baumscheiben: Gegenüber vom Bundeskanzleramt und in der Schlüterstraße. Nur bei mir wollen sie nicht wachsen. Fotos: Petra A. Bauer 2016

Einer der Apfelbäume wurde recht bald von einem Herbststurm dahingerafft und ich begann, die eine oder andere Lieblingspflanze anzupflanzen. Also, ich versuchte es. Mein absolutes Lieblings-Gartenaccessoire, nämlich die Stockrose, weigert sich auch nach zwei Jahrzehnten noch, in unserem Garten zu wachsen. Wann immer ich in Mauerritzen oder auf Baumscheiben Prachtexemplare dieser Blumen entdecke (siehe oben), fotografiere ich sie, halte die Fotos vorwurfsvoll meinen im Babystadium steckenbleibenden Stockrosen hin und rufe „Wachs!“ Nützt leider nichts. Was hier wirklich gut wächst, ist der Giersch, der vom Nachbarn herüberkommt. Und der Wilde Wein, den ich an unser Haus gepflanzt habe (Haus? Ich sehe gar kein Haus.).

Ausblick von meinem Arbeitsplatz auf die Terrasse. Von außen sieht es genauso aus. Foto: Petra A. Bauer 2016

Ausblick von meinem Arbeitsplatz auf die Terrasse. Von außen sieht es genauso aus. Foto: Petra A. Bauer 2016

Ich versuche auch seit zwei Jahrzehnten den Vorgarten hübsch zu machen. Immerhin wächst dort ein Rhododendron in einem von mir aus Stecklingen angelegten Buchsoval. Doch rundherum statt des geplanten lauschigen Weges: Giersch und Wilder Wein. Eine Zeit lang hatte ich einen Torbogen zum Vorgarten, efeuumrankt. Bis der Efeu so schwer wurde, dass der Torbogen zusammenbrach.

Da ich Beete wollte und einen Weg (warum nur?) habe ich irgendwann angefangen, mit zwei Reihen Steinen einen Gartenweg abzugrenzen. Ich kippte Rindenmulch drauf und es sah zunächst richtig gut aus. Bis im Jahr darauf das Unkraut wucherte. Und das Herbstlaub der Walnuss war auch nicht eben hilfreich.

Seither versuche ich Jahr für Jahr, den Gartenweg von Unkraut freizuhalten. Ebenso wie unsere Auffahrt. Aber das ist schlimmer als Schneeschippen bei Schnee. Da ich noch eine kleine Nebenbeschäftigung habe, komme ich einfach nicht hinterher. Meist kapituliere ich irgendwann im Laufe des Sommers. Nun überlege ich, mir einen Haufen Klinker liefern zu lassen. Aber dann müsste ich den ewig langen Weg auskoffern und eine Kiesdrainage legen.

Und dann frage ich mich immer wieder: Wieso habe ich nicht einfach das große NICHTS behalten? Rasenmähen muss ich sowieso und ich hätte den Kindern nicht immer sagen müssen, dass sie ihren Fußball nicht in meine Blumen schießen sollen. Und ich müsste keinen Weg erhalten, der das offensichtlich nicht will.

Die Antwort lautet: Weil ich es eigentlich wirklich gerne hübsch hätte.

© Petra A. Bauer, Juni 2016

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