Bei mir sehen Gartenecken in der Regel eher so aus ...

Petras Gartenkolumne: Gärtner-Blockade

Bei all den Büchern, die ich geschrieben habe – und vor allem zwischen den Buchprojekten – tauchte eines immer wieder einmal auf: die Schreibblockade.

Nichts geht mehr

Die Nicht-Autoren unter euch müssen sich das in etwa so vorstellen: Die Schriftstellerin sitzt vor dem geöffneten Dokument, das demnächst zu DEM neuen bahnbrechenden Werk werden soll. Manchmal ist der Monitor noch leer, oft sind aber schon etliche Seiten geschrieben und schreien nach Fortsetzung oder weiterer Bearbeitung. Aber es kommt nichts. Gar nichts. Die Finger weigern sich, etwas Sinnvolles zu Papier bzw. Monitor zu bringen. Sie weigern sich ÜBERHAUPT etwas zu tippen. Es sei denn bei Facebook, Twitter oder in den diversen Blogs, die ich betreibe. Wobei ich auch schon eine Blockade hatte, bei der ich nicht mal mehr einen Einkaufszettel schreiben wollte.

Die Gründe einer solchen Blockade können vielfältig sein. Oft halten Autoren alles, was sie bisher geschrieben haben, für Mist (egal, wie erfolgreich es auch gewesen sein mag) und folgern daraus, dass die Welt nicht noch ein schlechtes Buch braucht. Und schon schaltet das Unterbewusstsein auf Schreibstreik. Manchmal hängt man auch böse im Plot fest, oder die Figuren sind nicht gut genug ausgearbeitet. Am häufigsten ist allerdings wohl mangelnde Selbstdisziplin der Auslöser.

Die Gärten der Anderen

Als ich kürzlich auf das Chaos in meinem Garten starrte, das der schmelzende Schnee wieder besonders deutlich zur Geltung brachte, dachte ich zum x-ten Mal an die Gärten anderer Leute. Gärten, in der Nachbarschaft (eher wenige – vielleicht sollte mich das aufmuntern), Gärten in Blogs und Print-Magazinen (sehr viele) in denen es das ganze Jahr über grünt und vor allem blüht. Rabatten sind angelegt, in denen alles farblich aufeinander abgestimmt ist und in denen jede Staude auch gedeiht. Tolle Terrassen, fantasievoll gestaltete Wege und aufwändige Gartenprojekte (fertig umgesetzt und nicht auf halber Strecke steckengeblieben).
In diesen Traumgärten lagen keine vom Gartenhaus übriggebliebene Holzstapel („Das kann ich ja noch zum Bauen verwenden!“), keine von Katzen zerstörten Planschbecken und kaputte Gartengeräte. Es wuchert kein Unkraut und im Gewächshaus werden schon jetzt die ersten Salatpflanzen vorgezogen anstatt Gartengerümpel als Unterstand zu dienen.
Bei mir sehen Gartenecken in der Regel eher so aus ...

Bei mir sehen Gartenecken in der Regel eher so aus …

Klarer Fall von Gärtner-Blockade

Fragt nicht, wie oft ich schon in diesen Garten geschaut und davon geträumt habe, dass es dort ansatzweise so aussähe, wie in den Gärten meiner Bücher und Magazine. So wie viele Autoren davon träumen, so schreiben zu können, wie Lieblingsautor XY und sich damit unnötig so unter Druck setzen, bis gar nichts mehr geht.
Und vom In-den-Garten-Starren und Träumen passiert ebensowenig, wie vom Auf-den-Monitor-Starren. Ein Autor muss schreiben, ein Gärtner muss raus in den Garten und gärtnern!
... als so.

… als so.

Ich hatte viele Ausreden in den letzten Jahren, weshalb ich die Gartenarbeit aufgeschoben habe: Arbeitsaufwändige Erdgeschosssanierung, plötzlicher Babysegen und dass ich nie wusste, ob ich im Sommer den Garten überhaupt würde bearbeiten können, weil wir oft während der gesamten Ferien nicht da waren. Aus dieser Unkrautrupf-Vermeidungshaltung entstand nach und nach eine ausgewachsene Gärtner-Blockade. Aber Ausreden haben schreibblockierte Autoren auch zuhauf. Da hilft nur: einfach machen.
Also trete ich mir hiermit selbst in den Allerwertesten und gelobe, das Jahr 2016 zu meinem Gartenjahr zu machen. So, wie ich es kann und nicht, wie in den Hochglanzmagazinen, in denen man niemals eine Rümpelecke zeigen würde.
Es sei denn, mir kommt etwas dazwischen …
 
© Petra A. Bauer, Januar 2016

2 Kommentare zu “Petras Gartenkolumne: Gärtner-Blockade

  1. ….ich finde die bilder von deinem garten im jetzigen zustand schon total schön….auch wenn es nicht hochglanz ist….es sieht nach leben aus….
    lg
    annette

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