Regionale Kirschsorten, Mittelrheinkirsche, Picknick, Event, Slow Food, Biodiversität, Kirschbaum,

Alte Kirschsorten aus dem Mittelrhein erhalten

Regionale Kirschsorte, Slow Food, Biodiversität, Kirschbaum, Süßkirsche

Foto: Christine Schonschek – Auf der Bundesgartenschau 2011 in Koblenz wurde das Projekt „Mittelrheinkirsche“ einem breiten Publikum präsentiert

Jetzt im Juni haben Kirschen Saison. Doch mit einer Ernte aus dem eigenen Garten wird es dieses Jahr bei uns noch nichts. Denn erst im April haben mein Mann und ich unseren Kirschbaum eingepflanzt. Dabei handelt es sich um eine besondere Rarität mit dem vornehmen Namen „Perle von Filsen“. Diese Süßkirsche ist eine Regional- und Liebhabersorte, welche aus dem einst sehr bekannten Kirschanbaugebiet dem Mittelrheintal stammt. Genauer handelt es sich bei unserem „Schätzchen“ um eine Lokalsorte des Filsener Anbaugebietes. In ein paar Jahren wird der Baum hoffentlich seine sehr großen, wohlschmeckenden Früchte hervorbringen. Bis dahin wird er erst einmal ordentlich gehegt und gepflegt. Doch wie kam gerade so eine lokale Rarität in unseren Garten?


Das UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal hat in Sachen Kirschentradition eine bewegte Geschichte hinter sich: Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte der dortige erwerbsmäßige Süßkirschenanbau seinen Höhepunkt. Doch seit Mitte der 1960er Jahre ging dort der Kirschanbau rapide zurück. Damit war gleichzeitig auch der Erhalt der alten, regionalen Sorten erheblich bedroht. Um eine einmalige Vielfalt an Kirschsorten weiterhin zu erhalten und den traditionellen Obstanbau am Mittelrhein wieder zu beleben entstand das „Projekt Mittelrheinkirsche“. Es wurde während der Bundesgartenschau 2011 in Koblenz der breiten Öffentlichkeit präsentiert. Schon damals waren mein Mann und ich Feuer und Flamme für dieses Engagement rund um die Mittelrheinkirsche.

Kirschen zum Sitzen, Mittelrheinkirsche

Foto: Christine Schonschek – Auf der Bundesgartenschau 2011 in Koblenz waren diese Kirschsessel vom Projekt „Mittelrheinkirsche“ echt der Hit

Auf der BUGA 2011 wurden über 50 fast verloren geglaubte Kirschsorten auf einem Erlebnispfad der Sinne den Besuchern näher gebracht. Besonders begeistert war ich persönlich von dem Baum der Sortenvielfalt – einem Exemplar auf dem 20 verschiedene Sorten veredelt worden sind. Zum Ausruhen luden damals in Koblenz niedliche Kirschmöbel ein. Ich glaub es verging kaum ein BUGA-Besuch an dem wir es uns dort nicht gemütlich gemacht und die sortenrein getrockneten Kirschen naschten, die wir zuvor am Kirschautomat erworben hatten.

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Foto: Christine Schonschek – Diesen lecker gefüllten Picknick-Korb gab es beim Kirschblütenfest im April

Um weiterhin auf die Initiative hinzuweisen, veranstaltet der Zweckverband Oberes Mittelrheintal regelmäßig Events rund um die Mittelrheinkirsche und fördert die Vermarktung verschiedener Kirschenprodukte. Dazu gehören neben den Klassikern wie Konfitüre und Wein auch ganz ungewöhnlich Leckereien wie Ziegenkäse, Leberwurst oder Schokolade mit getrockneten Mittelrheinkirschen oder Kirsch-Senf. Einige dieser Spezialitäten wurden unter anderem beim Kirschblüten-Picknick angeboten, welches im April stattfand – wo wir unsere „Perle von Filsen“ gewonnen hatten. Am 19. Juni 2016 findet in Filsen eine Kirschgenuss-Wanderung, bei der die Teilnehmer auf den Geschmack der Mittelrhein-Kirsche gebracht werden und etwas über die 150-jährige spannende Entstehungsgeschichte der typischen Regionalsorten vermittelt wird.

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Foto: Christine Schonschek – Frisch nach dem Einpflanzen zeigte sich die Süßkirsche „Perle von Filsen“ noch blattlos

Doch nicht nur wir Gartenfreunde haben es auf die süßen Früchte abgesehen, sondern leider auch einige Schädlinge. Unter anderem können bestimmte Fliegenarten den süßen Früchten zu schaffen machen. Das sind die einheimische europäische Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi) und neuerdings auch die amerikanische Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cingulata) sowie die aus Asien stammende Kirschessigfliege (Drosophila suzukii). Gegen die Kirschfruchtfliegen sollten, bevor die Früchte ausreifen, Gelbtafeln im Baum aufgehängt werden. Denn die Fliegen legen ihre Eier auf den gelben noch unreifen Früchten ab. Das Ende vom Lied sind dann Kirschen mit Maden. Einzelne Bäume oder einzelne Äste lassen sich womöglich mit speziellen Netzen ebenfalls vor den Schadinsekten schützen. Wer möglichst madenfreie Kirschen haben möchte, sollte besonders frühe oder gelbe Sorten pflanzen, weil diese eher nicht von den Kirschfruchtfliegen befallen werden. Bei Kirschen wird die Reifezeit in sogenannten Kirschwochen angegeben. Im Mittelrhein markiert den Beginn der Kirschsaison die Sorte „Früheste der Mark“, die in der ersten Kirschwoche reift. Das kann je nach Witterung bereits in der zweiten Maiwoche, aber auch deutlich später der Fall sein.

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Foto: Christine Schonschek – Mit Laub sieht die „Perle von Filsen“ schon mehr nach einem Bäumchen aus

Nun sind wir gespannt, wie sich unsere „Perle von Filsen“ weiter entwickeln wird. Übrigens, optisch ganz toll sind die zweifarbigen Sorten „Geisepitter“, die fast schwarze „Geldlose“ oder die gelbe „Filsener Goldperle“. Wer sich ebenfalls für diese besonderen Kirschsorten aus dem Mittelrheintal interessiert, findet auf dieser Seite des Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal Links zu den Baumschulen, in denen diese regionalen Kirschsorten erhältlich sind.

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