Der Bauerngartenfee-Garten vor einigen Jahren.

Petras Gartenkolumne: Wertschätzung

Als wir vor nunmehr 25 Jahren in unser halbes Haus mit Garten zogen, fühlte es sich für mich wie Urlaub an, wenn wir aus unserer Wohnung im Statdrandbezirk noch weiter an den Stadtrand zum Haus fuhren. Sobald ich die Autobahnabfahrt hinabfuhr und in die Straße mit den hohen Bäumen abbog, war der Alltag Geschichte. Und ich kann mich noch sehr gut an den Stolz erinnern, der mich erfüllte, weil in unserem Garten ein großer Walnussbaum stand, der nun uns gehörte.

Der Bauerngartenfee-Garten vor einigen Jahren.

Der Bauerngartenfee-Garten vor einigen Jahren.

In den letzten Monaten hat sich in Bezug auf meinen Garten immer häufiger ein bestimmter Begriff aufgedrängt:

Wertschätzung.

Oder in diesem Fall zunächst: mangelnde Wertschätzung. In den letzten Jahren wusste ich meinen Garten und die Dinge, die darin zu entdecken sind, nämlich überhaupt nicht zu schätzen. Ich war aus vielen Gründen kaum noch im Garten.

Dass mir neu vor Augen geführt wurde, wie dankbar ich eigentlich für unser grünes Reich sein darf, hat mit der umfassenden Gartenumgestaltung zu tun, die im Winter vonstatten ging. Wir haben einen Teil der Gartenfläche hinter dem Haus anheben lassen und dort befindet sich nun ein Wintergarten, eine kleineTerrasse und zwei jungfräuliche Beete. Im Zuge dessen haben wir (und die Gartenbauer) auch unsere Rumpelecken leer geräumt und das Zeug abtransportiert. Das hat schon sehr geholfen, um den Blick für die eigentliche Schönheit unseres Gartens wieder zu schärfen. Hinzu kommt noch, dass wir uns bei jedem Wetter gemütlich im Wintergarten aufhalten und in den Garten starren, den ich so lange vernachlässigt habe.

Da sehe ich zum einen komplett außer Kontrolle geratene Sträucher, die auf der linken Seite vollständig den Blick in den hinteren Gartenteil versperren.

Den rechten hinteren Gartenteil kann man erkennen, auch wenn dort ebenfalls einiges hoch gewachsen ist. Aber Teich und Rasen sorgen dafür, dass zumindest dort nichts die Sicht versperrt. Womit wir in Sachen Wertschätzung beim Teich wären: So viele Menschen wünschen sich einen Gartenteich wir haben einfach einen gebaut.

Der Teich

Als wir hierher zogen gab es auf dem Grundstück wenig mehr als Rasen, einen baufälligen Schuppen, drei Obstbäume und besagten Walnussbaum. Ein Stück hinter den Baum gruben wir eines Tages eine Teichwanne aus Plastik ein, die auch ein Weilchen ihren Zweck erfüllte, bis mir der Teich zu klein wurde. Also wurde weiter gebuddelt: Ein großer Teich mit Bachlauf und Brücke entstand. Anfangs werkelte ich viel daran herum oder genoss das Plätschern des Baches, während ich an meinen Büchern schrieb.

Autorentätigkeit am Bach in meinem Garten

Autorentätigkeit am Bach in meinem Garten

Dann wuchsen die Pflanzen schneller, als ich sie auslichten konnte und das Herbstlaub verstopfte die Bachlaufpumpe. Die daraus resultierenden Arbeiten kamen auf meine To-Do-Liste wo sie noch heute stehen.

Der Brunnen

Unser Brunnen im Gegenlicht.

Unser Brunnen im Gegenlicht.

Wer kann von seinem Garten schon behaupten, dass dort ein Märchenbrunnen steht? Ich kann das. Im Sommer, mit der Blütenfülle der Rose Super Excelsa, die seitlich dort wächst, steigert sich der märchenhafte Eindruck noch. Und trotzdem hatte ich in letzter Zeit keinen Blick dafür.

So viele schöne Dinge …

Der extra für die Kinder angelegte, große Sandkasten ist verwildert, das Gartenhaus wird nicht so genutzt, wie ich es vorhatte. Die Wald-Ecke sowie der Haupt-Gartenweg (nur mit Rindenmulch bestreut) wird von Wurmfarn überrannt, alle niedrigen Buchshecken sind auf Bauchhöhe gewachsen. Ich könnte so weitermachen.

Kürzlich wurde unsere Auffahrt gekärchert, bei der ich seit langer Zeit vergeblich gegen das Fugenunkraut kämpfte. Nun ist alles wieder schick, eine Nachbarin gratulierte mir zu unserer neuen Auffahrt (sie ist vor 16 Jahren gepflastert worden) und unsere Jüngste staunte über das schicke Muster, das dort verlegt wurde …

Zweite Chance

Anfang Dezember tobten die Bagger durch unseren Garten. Sie beseitigten das Chaos hinter dem Haus, und die Garten- und Landschaftsbauer vollbrachten wahre Wunder. Da wurde mir bewusst, dass ich nicht nur die beiden jungfräulichen Beete gut planen möchte (ich hatte vorher einfach gepflanzt, wie es gerade kam), sondern auch dem restlichen Garten wieder die Wertschätzung entgegenbringen will, die er verdient. Und weil das eine zweite Chance ist, denke ich: #machwasdraus

Ich bin jetzt wieder jeden Tag draußen, freue mich über jedes Pflänzchen, das dem Frost zum Trotz aus der Erde schaut, und sogar das Urlaubsgefühl von vor 25 Jahren hat sich wieder eingestellt.

Es ist eben nie zu spät.

Petra A. Bauer, Februar 2018

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