kaputter Rasen

Petras Gartenkolumne: Fußballrasen

Ich betrachte die Rasenfläche, die einen Teil unseres Gartens einnimmt.
„Ach, ist der Rasen schön grün!“
Das sagte zumindest Wilhelm Bendow 1946 in seinem berühmten Rennbahnsketch.

Ich sage: „Ach, wär doch der Rasen noch da!“

Der „Rasen“ unseres Familiengartens hatte den Namen noch nie verdient. Gäseblümchen-Paradies, Klee-Sammlung, Moos-Hölle – alles wäre treffender als Rasen. Doch immerhin war der Boden irgendwie grün bewachsen und ich durfte ab und zu den Rasenmäher drüberschieben.

kaputter Rasen

Grün ansprühen?

Dass mich dort jetzt an zwei beachtlich großen Stellen nichts als nackte Erde anschaut, daran ist die WM schuld. Wir gucken die Spiele gerne mit mehreren Leuten zusammen, und in den Halbzeitpausen spielen die Gäste dann Tischtennis. Die Tischtennisplatte wird nach Benutzung beiseite geschoben. Das war meine Bedingung. „Damit der Rasen nicht darunter leidet.“

Ich schaue mir die zusammengefaltete, beiseite geschobene Tischtennisplatte an, und den Platz, wo wir sie immer aufbauen. In der Mitte ist der Klee saftig grün. Nur dort, wo die Spieler sich normalerweise befinden, wächst buchstäblich kein Gras mehr. Es muss eine neue Tischtennisregel geben, die besagt, dass man die Füße während des Spiels nicht heben darf.

Gesprüht oder gerollt?

Ich frage mich, welches Zeug die Platzwarte in Brasilien benutzen, um die Rasenflächen in den Stadien grün anzusprühen. Ob das wohl auch auf Erde funktioniert? Denn Nachsäen kann ich ja nicht, solange Tischtennis gespielt wird. Selbst dann nicht, wenn die Gäste verschwinden und nur die Füße hochhebende Familie um die Platte wetzt. Ob ich die Grassamen dazu überreden könnte, im Winter zu keimen?

Kurz denke ich über Rollrasen nach. Aber Rollrasen ist teuer. Und so richtig „gärtnern“ ist das Ausrollen von Rasen ja auch nicht. Was mich zur Frage bringt, ob das Ansprühen, Ausrollen und Mustermähen bei Fußballrasen überhaupt etwas mit Gärtnern zu tun hat. Ja, ob die Anlage und Hege perfekter Rasenflächen generell weniger etwas für Gärtner sondern eher was für Informatiker ist, die jeden Fehler eliminieren, weil nichts mehr funktioniert, wenn irgendwo eine spitze Klammer fehlt? Ebenso fühlen sich manche „Gärtner“ nicht wohl, wenn man Natur erlaubt, natürlich zu sein.

Aber bitte mit Sahne!

Ich mag Natur, mit Löcher in Rasenflächen aber nicht gleichzusetzen. Vielleicht muss doch die grüne Farbe her. Und dann könnten wir mit Schiedsrichter-Sprühsahne ein Mini-Fußballfeld in den Garten zeichnen.

Da heute offenbar der Tag der Fragen ist, frage ich mich als nächstes, ob das auf Golfplätzen eigentlich auch gemacht wird. Also nicht der Teil mit der Sprühsahne, sondern das Anpinseln mit grüner Farbe. Der Rasen auf den Greens am Loch ist z.T. so kurz, dass die Halme doch noch gar keine Chance hatte, Chlorophyll zu entwickeln.

Und vielleicht steckt auf dem Golfplatz überhaupt die Antwort auf die Frage, ob das noch Gärtnern ist: Dort arbeiten keine Gärtner, sondern so genannte Greenkeeper.

Wohin wird das noch führen? Rasenplätze auf Tennisanlagen werden rot angesprüht und von Redkeepern instand gehalten? Rasenflächen in Regierungsvierteln pinseln Greykeeper grau an, damit sie zwischen dem ganzen Beton nicht so auffallen?

Ich glaube, ich stelle die Tischtennisplatte in den Keller und erlaube Moos, Gänseblümchen und Klee, in aller Ruhe die Brachflächen neu zu besiedeln. Ich bin dann ein Naturekeeper.

© Petra A. Bauer, Juni 2014

1 Kommentar zu “Petras Gartenkolumne: Fußballrasen

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