Auf die Schalen, fertig, los!

 

Der Herbst ist für Orchideenliebhaber wie mich eigentlich eine sehr schöne Zeit. Er läutet die Hauptblütezeit der meisten Orchideen ein. Hat man seine Orchideen das Jahr über anständig versorgt, wird man im Herbst mit zahlreichen neu sprießenden Blütentrieben belohnt.

Meine persönlichen Lieblinge unter den Orchideen sind die oft auch als Nachtfalterorchideen bezeichneten Phalaenopsis. Von ihnen sind besonders viele auf meinen Fensterbänken zu finden. Damit diese ordentlich wachsen und im Winter möglichst viele Blüten tragen, ist neben Wärme, Wasser, wenig Dünger und viel Licht vor allem eines wichtig: eine ausreichende relative Luftfeuchte. Diese sollte – da sind sich Mensch und Orchidee einig – bei mindestens 40 % , im Idealfall aber deutlich darüber liegen.

 

Blütenstand einer meiner Phalaenopsis…in diesem Fall Phalaenopsis Fantasy Musick.

Ein bisschen Luftfeuchte muss sein…

Während ich zuhause mit der Luftfeuchte keine Probleme habe, stellte mich mein Büro bisher vor eine große Herausforderung: sobald ich im Herbst das erste Mal die Heizung anschalte, sinkt die Luftfeuchte im Raum ganz schnell deutlich unter die gewünschten 40 %.

Meine Büro-Orchideen quittieren die niedrige Luftfeuchte mit eher schlechtem Wachstum. Sie bilden – wohl aus Protest – im Vergleich zu meinen Orchideen zuhause kaum neue Blütentriebe aus. Da aber die Freude an der Kultur von Orchideen vor allem darin liegt, für gute Pflege mit einem schönen Wachstum und möglichst zahlreichen Blütentrieben belohnt zu werden, musste im Büro dringend etwas passieren.

Ich habe im Laufe der Zeit schon einiges ausprobiert. Feuchte Tücher auf die Heizung gelegt. Im ganzen Raum Schalen mit Wasser verteilt. Mit einer Sprühflasche stündliche Sprühorgien auf der gesamten Fensterbank veranstaltet. Der Luftfeuchte im Raum schien meine Mühe fast egal zu sein. Sie stieg – wenn überhaupt – nur kurz und auch nur um einige müde Prozent an.

Als ich schon kurz davor war, mich dem Schicksal zu ergeben – denn einen elektrischen Vernebler kann ich im Büro auf gar keinen Fall aufstellen – erinnerte ich mich an eine Methode, von der ich irgendwann einmal in einem Orchideenbuch gelesen hatte: Fensterbankschalen.

Fensterbankschalen? Was ist denn das?

Bei Fensterbankschalen handelt es sich um Kunststoffschalen, die in etwa aussehen wie Untersetzer für Balkonkästen, nur mit etwas höheren Rändern. Auf ihnen liegen Gitter, ebenfalls aus Kunststoff. Diese Schalen stellt man auf die Fensterbank und füllt sie bis zu den Gittern mit Wasser. Auf die Gitter stellt man seine Orchideen. Nun kann das Wasser verdunsten und die Luftfeuchte im Bereich oberhalb der Fensterbankschalen erhöht sich um ein Vielfaches – so zumindest die Theorie.

Zugegeben, ich war zunächst ziemlich skeptisch: funktioniert das wirklich so gut? Da ich aber sowieso keine bessere Idee mehr hatte kramte ich den Zollstock hervor, nahm Maß von meinen Fensterbänken und bestellte mir schließlich drei Fensterbankschalen in verschiedenen Größen. Schaden können sie ja nicht, dachte ich mir. Und wenn sie dann doch nichts taugen sehen sie wenigstens gut aus.

Die Fensterbankschalen sind nun seit einigen Wochen auf meiner Büro-Fensterbank im Einsatz. Und was soll ich sagen? Ich bin absolut begeistert! Die Luftfeuchte oberhalb der Gitter liegt nun dauerhaft bei +- 60 %. Und anders als ich es erwartet hatte muss man das Wasser in den Schalen nicht alle paar Tage, sondern nur alle zwei bis drei Wochen nachfüllen. Das System ist also auch absolut urlaubstauglich. Stellt man die Orchideen ohne Übertopf auf die Gitter, kommt es zudem niemals zu Staunässe, da überschüssiges Wasser jederzeit in die Schalen ablaufen kann. Da Staunässe eine der häufigsten Ursachen ist, wieso Orchideen zu früh das Zeitliche segnen, ist dieser Faktor nicht zu verachten.

Für Bastelwütige

Man kann sich die Fensterbankschalen natürlich auch selber basteln, da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Denkbar wäre eine Kombination aus Balkonkasten-Untersetzern und Maschendraht, wie man ihn in jedem Baumarkt bekommt. Solange die Orchideen nicht mit den „Füßen“ im Wasser stehen ist alles erlaubt. Ich habe mich aus Bequemlichkeit erst einmal für die fertige Variante entschieden.

Wenn ich sehe, wie viele Substratstückchen jetzt schon durchs Gitter gerutscht und im Wasser gelandet sind gehe ich davon aus, dass man um eine regelmäßige Reinigung der Fensterbankschalen nicht herum kommt. Aber dieser Aufwand soll es mir absolut wert sein, habe ich doch an einer meiner Büro-Orchideen schon ein Dankeschön für die Mühe entdeckt: einen neuen Blütentrieb! :-)

Der Lohn für die Mühe: ein lang ersehnter, neuer Blütentrieb!

 

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Jessica Klepgen ist praktisch in einem Gartencenter groß geworden und heute absolute Orchideenliebhaberin. Sie liebt neben den Pflanzen auch den Austausch über ihr Hobby und hat deshalb eine Facebookseite für Orchideenfans ins Leben gerufen. Dort steht sie bei Fragen rund um das Thema Orchideen mit Rat und Tat zur Seite.

5 Kommentare zu “Auf die Schalen, fertig, los!

  1. Die hätte ich gerne, meine Orchideen wollen nicht so richtig, vielleicht klappt das endlich damit.

    Viele Grüße

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