Dieses Kindel hat schon mehrere eigene Wurzeln und Bkätter. Es ist bereit, von der Mutterpflanze getrennt zu werden.

Antworten auf die häufigsten Fragen zu Ablegern an Orchideen

Phalaenopsis-Orchideen

Phalaenopsis-Orchideen gelten allgemein als sehr kindelfreudig.

Auf meiner Orchideenfans-Seite tauchen immer wieder Fragen zu Ablegern, sogenannten Kindeln, an Orchideen auf. Wieso bildet die Orchidee Kindel? Wann kann ich das Kindel von der Mutterpflanze trennen? Und wie pflege ich es? – nur um einige Beispiele zu nennen. :-) Grund genug, diesen Frage einmal in einem eigenen Beitrag nachzugehen.

Was ist ein Kindel?

Ein Kindel ist ein Ableger, den eine Orchideenmutterpflanze bildet, um sich zu vermehren. Im Unterschied zur Vermehrung über Samen sind Kindel immer Klone der Mutterpflanze. Das heißt, sie stimmen in ihren Eigenschaften exakt mit der Mutterpflanze überein. Das führt dazu, dass Kindel – anders als aus Samen gezogene Orchideen-Nachkommen – Blüten ausbilden, die denen der Mutterpflanze identisch sind. Die Vermehrung über Kindel bringt also in der Regel keine neuen Blütenfarben oder Blütenformen hervor.

Wieso bildet meine Orchidee eines oder mehrere Kindel?

Das kann verschiedene Gründe haben. Zum einen gibt es Orchideenarten und -gattungen, die mehr zur Ausbildung von Kindeln neigen als andere. Die Phalaenopsis beispielsweise ist generell eine sehr kindelfreudige Gattung und bestimmte Arten kindeln besonders gerne. Nach meiner Erfahrung sind das beispielsweise Phalaenopsis pulchra oder auch Phalaenopsis bastianii. Züchtungen, die in ihrer Ahnenreihe kindelfreudige Arten mit eingekreuzt haben, können die Kindelfreudigkeit geerbt haben. Deshalb gibt es auch unter den Primär- und Multihybriden einige Exemplare, die besonders gerne Ableger bilden. Auch Orchideen der Gattung Dendrobium sind ebenso wie die Phalaenopsis sehr kindelfreudig.

Kindel Phalaenopsis bastianii

Ein sehr kindelfreudiges Exemplar einer Phalaenopsis bastianii mit mehreren Stielkindeln an den Blütentrieben.

Ein weiterer Grund, wieso eine Orchidee Kindel bildet kann der sein, dass es der Mutterpflanze nicht ganz so gut geht. Sie versucht dann sozusagen über die Bildung von Ablegern, ihre Art zu erhalten, bevor sie selber das Zeitliche segnet. Das kann man sehr gut bei Phalaenopsis-Orchideen beobachten, denen ein Blütentrieb aus dem Herzen wächst. Durch diesen Wuchs kann die Orchidee in der Folge keine neuen Blätter mehr bilden und stirbt im Laufe der Zeit ab. Solche Orchideen mit einem Herzblütentrieb bilden besonders oft Kindel aus. Zur Freude ihrer Besitzer, denn hat man die Orchidee und ihre Blütenfarbe sehr gerne gehabt, hat man durch die Kindel immerhin die Chance auf erneute Blüten.

Gibt es verschiedene Arten von Kindeln?

Ja, die gibt es. Bei den Phalaenopsis-Orchideen unterscheidet man zwischen Stielkindeln und Stammkindeln. Wie die beiden Bezeichnungen schon erahnen lassen unterscheiden sie sich durch die Stelle, an der sie wachsen. Stielkindel wachsen an den Blütenstielen der Orchideen, Stammkindel wachsen direkt aus dem Stamm der Pflanze heraus, meist unterhalb der untersten Blätter. Das Foto oben zeigt mehrere Stielkindel an einer einzelnen Phalaenopsis bastianii-Pflanze.

Wann kann ich ein Kindel von der Mutterpflanze trennen?

Hier gibt es eine Faustregel: Hat das Kindel bereits 2-3 gut ausgebildete eigene Blätter und ebenso viele gut ausgebildete eigene Wurzeln, so kann es von der Mutterpflanze entfernt werden. Im Fall von Stielkindeln sollte man ein Kindel nur dann früher entfernen, wenn der Blütenstiel bereits komplett verwelkt, das heißt braun und trocken ist. Solange der Blütenstiel noch grün ist wird das Kindel über ihn von der Mutterpflanze versorgt und es besteht kein Grund zur Eile, das Kindel zu trennen. Manchmal kommt es sogar vor, dass ein Kindel noch an der Mutterpflanze selber zu blühen beginnt. Das kann dann richtig schick aussehen.

Kindel mit Wurzeln und Bkätter

Dieses Kindel hat schon mehrere eigene Wurzeln und Blätter. Es ist bereit, von der Mutterpflanze getrennt zu werden und in seinen eigenen Topf zu ziehen.

Wie trenne ich ein Kindel ab und was mache ich damit?

Bei Stielkindeln ist das Abtrennen des Kindels vom Blütentrieb der Mutterpflanze in der Regel sehr einfach. Man braucht eine möglichst scharfe Schere oder ein Messer. Damit schneidet man den Blütenstiel kurz unterhalb des Kindels ab. Und zwar so, dass ein etwa 2-3 cm langes Stück Stiel am Kindel verbleibt. Bestenfalls hat man vorher schon einen eigenen, möglichst kleinen, durchsichtigen Pflanztopf und etwas Orchideensubstrat vorbereitet. Das Kindel kann dann mit seinen Wurzeln samt Blütenstielstückchen in den Topf gegeben und mit Substrat aufgefüllt werden.

Bei Stammkindeln sollte man die gesamte Pflanze austopfen und schauen, wie fest das Kindel an der Mutterpflanze anliegt und ob sich die Wurzeln von Mutterpflanze und Kindel schon ineinander verwachsen haben. Man kann dann vorsichtig versuchen, das Kindel durch leichten Druck bzw. durch Ziehen von der Mutterpflanze zu lösen und die Wurzeln zu entwirren. Ist einem das zu heikel schadet es aber auch nicht, das Kindel an der Mutterpflanze zu belassen. Sollte man es abgelöst kriegen kann es ebenso wie das abgetrennte Stielkindel in einen eigenen, kleinen Topf gepflanzt werden.

Generell habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich Kindel an Dendrobium-Orchideen meist deutlich einfacher abtrennen lassen als die Stammkindel an Phalaenopsis. Bei Denrobium ist es sogar oft so, dass die Kindel sich mit der Zeit selbst lockern und durch ein ganz zartes ziehen abgetrennt werden können. Sie bilden allerdings nicht immer gleich so lange Wurzeln aus wie die Phalaenopsis, so dass es anfangs mit dem Halt im Substrat im eigenen Topf etwas schwierig wird. Hier kann man beispielsweise mit einem Holzstab nachhelfen, mit dem man die Pflanze stabilisiert.

In seinem eigenen Topf kann man das Kindel genauso pflegen und kulitivieren wie die Mutterpflanze. Da der Topf sehr klein ist sollte man ihn öfters einmal anheben um zu prüfen ob das nächste Wässern ansteht. Ist der Topf ganz leicht braucht die Orchidee Wasser. Den Topf dann einfach kurz in ein Wasserbad tauchen oder den Übertopf in dem er steht mit Wasser auffüllen und nach einigen Minuten wieder abgießen. Wichtig ist, dass sich nie Staunässe im Topf bildet, denn dann faulen die Wurzeln.

Orchidee-KIndel

Ein frisch abgetrenntes und getopftes Stielkindel einer Phalaenopsis-Orchidee.

12 Kommentare zu “Antworten auf die häufigsten Fragen zu Ablegern an Orchideen

  1. Danke für die Kindel-Tips. Ich werde mein Stielkindel weiter beobachten und dann….
    mal sehn wie es weiter geht.
    B. Helms

  2. Hallo Jessica,

    da ich erst seit kurzem Orchideen habe, bin ich noch sehr unerfahren, was die Eigenarten dieser wunderschönen Pflanzen betrifft.
    Meine blühen jetzt zum zweiten Mal. Vielleicht könntest Du einmal ein Bild einstellen das zeigt wie es aussieht, wenn sich ein Stielkindel bildet? Das wäre echt klasse, weil ich bisher noch nirgends eines gefunden, bzw. erklärt fand.
    Liebe Grüße, Josephine

    • Hallo Josephine, ich suche gerne ein Bild raus und werde den Beitrag dann dahingehend aktualisieren. Vielen Dank für deinen Kommentar und weiterhin viel Erfolg mit den Orchideen. Jessica

      • Hallo Jessica,
        lieben Dank dafür – und ich wünsche Dir noch viel Erfolg hier und allgemein 😉
        Ich freue mich schon sehr auf das Bild! Würde gerne Bilder von meinen Orchideen hochladen – leider nimmt mein Laptop die Kamera nicht mehr an :(
        Ganz liebe Grüße, Josephine

  3. hallo kann ich ein stamm kindle dran lassen und an einen stab befestigen ich habe den stab einfach vorsichtig in die erde rein gedrück war dies richtig

    • Hallo Pierre, vielen Dank für deinen Kommentar. Solange der Stiel an dem das Kindel hängt grün ist wird es von der Mutterpflanze versorgt und du kannst es dran lassen. Ist dies irgendwann nicht mehr der Fall wird es Zeit es in einen eigenen Topf zu pflanzen. Viele Grüße Jessica

  4. Hallo Jessica,
    Ich hoffe, dich über diesen Kommentar zu erreichen. Bin leider bzgl. Computer&Co eine grosse Miete.
    Seit Jahren habe ich Orchideen, die immer toll Aussagen und geblüht haben. Leider wurden sie wohl vor einigen Monaten, als ich längere Zeit nicht daheim war, sehr vernachlässigt. Jetzt haben viele eine Menge vertrocknete Wurzeln und sehen fast alle traurig aus.
    Was kann ich als Laie Unternehmen, dass sich das wieder ändert?
    P.S. sie blühen übrigens auch nicht mehr.
    Vielen Dank schon Mal für deine Tipps.

    • Hallo Ursula,

      vielen Dank für deinen Kommentar und ein dickes Sorry für die sehr verspätete Antwort. Wie geht es deinen Orchideen mittlerweile? Konntest du sie aufpäppeln/retten?

      Viele Grüße
      Jessica

  5. Hallo!
    Ich habe mehrere solcher Ableger. Sie wachsen zwar, aber bringen keine Blühtenstängel. Einige davon sind schon 5-6 Jahre ohne. Sind auch noch etwas kleiner. Aber keine Blühten….eher neue Ableger
    Hab ich da noch Hoffnung oder was ist mit denen?
    LG
    Gwen

    • Hallo Gwen,

      wie pflegst du sie denn, wo stehen sie, wie oft wässerst und düngst du sie? Eventuell sind ihre Standortbedigungen nicht optimal und reichen nicht aus, um sie zum Blühen anzuregen.

      Viele Grüße
      Jessica

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