Buchautorin und Permakultur-Expertin Sigrid Drage Foto: Nadja Hudovernik

Permakultur für Anfänger*innen

Permakultur gilt als nachhaltiges, naturnahes Gartenkonzept. Doch wie funktioniert dieses System? Permakultur-Expertin Sigrid Drage erklärt, was Permakultur ausmacht und wie du es in deinem Garten und auf dem Balkon umsetzen kannst.

Buchautorin und Permakultur-Expertin Sigrid Drage Foto: Nadja Hudovernik

Buchautorin und Permakultur-Expertin Sigrid Drage
Foto: Nadja Hudovernik

Sigrid Drage ist Ökologin und Permakulturistin. Die Österreicherin gibt Kurse an der Permakultur-Akademie im Alpenraum und ist Gründungsmitglied des Vereins Una cum terra, der unter anderem in Wien und Umgebung Saatgut- und Pflanzentauschbörsen organisiert. Gemeinsam mit Sonnentor hat Sigrid Drage den Frei-Hof aufgebaut, den sie mit ihrem Partner zu 100 Prozent permakulturell bewirtschaftet.

Den Begriff „Permakultur“ hatte ich zwar schon öfters gehört. Aber, was sich konkret dahinter verbirgt, das wusste ich bislang noch nicht. Daher habe ich Sigrid Drage um ein paar Informationen gebeten.

Frau Drage, was ist Permakultur und warum tut sie dem Garten gut?

Permakultur ist ein Gestaltungskonzept für eine bessere Welt, das in den 70er Jahren von Bill Mollison und David Holmgren begründet wurde. Es beschäftigt sich mit nachhaltiger, zukunftsfähiger Gestaltung und Nutzung von Stadt und Land und vereint eine Vielzahl von Methoden, die diesem Ziel dienen. Für viele Menschen beginnt Permakultur im Garten oder auf dem Balkon, wächst aber bald auch darüber hinaus: Sie begleitet den Weg in eine nachhaltige Lebensweise in vielen Lebensbereichen.

Am Teich

Eine Teich im Garten hat mehrere Funktionen: Er ist Wasserspeicher, Lebensraum, Lern- und Erholungsort.
Foto: Nadja Hudovernik

Dem Garten tut Permakultur gut, weil sie die Natur dazu einlädt, sich wieder im menschlichen Siedlungsraum einzufinden. Die Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten nimmt zu, es entstehen nützliche Beziehungen, der Boden reichert sich mit Humus an, er kann mehr Wasser speichern und so auch ungünstige Witterungen überstehen. Letztlich lässt sich dadurch auch die Ernte vervielfachen – was wiederum der persönlichen Selbstversorgung gut tut und unseren Konsum nachhaltiger macht. Es hängt also alles zusammen

Wie fange ich am besten an, wenn ich auf diese Art gärtnern möchte?

Sich informieren. Zum Beispiel durch einen Besuch eines Permakultur-Gartens, eines Seminars oder durch das Stöbern in Permakultur-Büchern. Danach ist der Blick auf den eigenen Garten oder Balkon bereits etwas anders. Man sollte sich auch Zeit nehmen, alles Bestehende gut zu beobachten und erste Pläne für die Gestaltung zu schmieden. Mit kleinen Veränderungen beginnen und sich langsam vorarbeiten, ist ein guter Anfang.

Worauf muss ich bei Permakultur grundsätzlich achten?

Permakulturelles Gärtnern ist 100 Prozent bio, setzt auf samenfeste Pflanzensorten, schafft Platz für Wildnis und basiert auf Gestaltungsgrundsätzen, die bei der Planung, Umsetzung und Bewirtschaftung zum Einsatz kommen. Besonders wichtig für den Beginn ist die Ortsanalyse. Sie liefert viele Informationen für die spätere Planung und Gestaltung.

Garten nach Permakultur

Bei Permakultur nutzt du die Gegebenheiten im Gelände und natürliche Elemente für eine reiche Ernte.
Foto: Sigrid Drage

Was sind häufige Fehler – und wie vermeide ich sie?

Häufig passiert es, dass gröbere Eingriffe gemacht werden, bevor man das Grundstück noch kennengelernt hat. Es werden zum Beispiel Sträucher entfernt, nasse Senken zugeschüttet oder Hügel planiert. Das sollte man auf keinen Fall tun oder sich dazu überreden lassen, denn gerade diese Eigenheiten können wichtige Ausgangspunkte für die Gestaltung sein. Es zahlt sich aus, einen Gang zurückzuschalten und in Ruhe zu überlegen, wie mit möglichst wenigen Eingriffen ein vielfältiger produktiver Garten entstehen kann.

In der Permakultur arbeiten wir mit den Prozessen in der Natur. Das heißt auch, dass nicht immer alles gleich so läuft, wie wir es uns ausgemalt haben, sondern dass wir uns nur Schritt für Schritt an ein funktionierendes System annähern. Irrtümer und Fehler gehören dazu.

Inwiefern kann ich Permakultur auf dem Balkon umsetzen?

Es gibt viele Permakultur-Elemente, die auch auf dem Balkon umsetzbar sind. Gemüse-, Kräuter- und Beerenbeete, eine Wurmkiste für die Kompostierung, eine Regentonne oder ein Mini-Teich zum Wasser sammeln und speichern, ein Wildkräuter-Topf, Nisthilfen für Insekten und so weiter.

Garten auf der Dachterrasse

Permakultur kann man auch in einem Mini-Garten auf dem Balkon oder der Dachterrasse umsetzen.
Foto: Sigrid Drage

All das macht den Balkon vielfältiger, naturnäher und liefert kleine Ernten für die teilweise Selbstversorgung. Durch Beteiligung an Gemeinschaftsgärten und Solidarischen Landwirtschaften kann unser Selbstversorgungsgrad dann noch weiter wachsen und so einen wichtigen Beitrag für eine zukunftsfähige, klimapositive Lebensmittelversorgung leisten.

Vielen Dank für das Interview!

Das Buch zum Thema:

Sigrid Drage: Permakultur – Dein Garten. Deine Revolution. Löwenzahn Verlag, 2019. 304 Seiten, 29,90 Euro. ISBN 978-3-7066-2650-7Sigrid Drage: Permakultur – Dein Garten. Deine Revolution. Löwenzahn Verlag, 2019. 304 Seiten, 29,90 Euro. ISBN 978-3-7066-2650-7

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