Romberg Blog, Foto: Christine Schonschek

Tomaten veredeln

von Christine

Veredelte Rosen oder Gehölze kennen wohl die meisten Gartenfreunde. Aber auch verschiedene Fruchtgemüsesorten, wie etwa Tomaten, Paprika, Gurken und Auberginen, lassen sich veredeln. Warum das vorteilhaft ist, und wie das Veredeln funktioniert, erkläre ich hier.

Egal, ob Gehölze oder Fruchtgemüse, das Ziel des Veredelns ist immer das gleiche: Zwei (bei Gehölzen auch manchmal mehrere) verschiedene Sorten, deren Eigenschaften sich gegenseitig ergänzen, werden miteinander verbunden. Als Unterlage dient in der Regel eine widerstandsfähige Sorte, auf die eine Edelsorte gesetzt wird. Bei letzterer ist es wichtig, dass sie sowohl eine gute Blattgesundheit hat als auch eine reichliche Ernte mit geschmackvollen Früchten verspricht. Wer schon mal veredeltes Gemüse gekauft hat weiß, dass diese Pflanzen deutlich teurer als andere sind. Das ist doch Ansporn genug, um sich selber an die Arbeit zu machen. Außerdem erfüllt es uns Hobbygärtner doch auch ein wenig mit Stolz, wenn das Projekt gelingt. Und keine Sorge, die abgeschnittenen Unterlagen können ja auch als Stecklinge weiter vermehrt werden.

Gebraucht wird…

Wer selber seine Tomaten veredeln möchte benötigt folgende Materialien / Werkzeuge:

Vorplanen

Zum Veredeln werden doppelt so viele Pflanzen benötigt. Zunächst gilt es zu überlegen, welche Sorten als Unterlagen infrage kommen. Dafür eignen sich unter anderen die Sorten Estamino, Vigomax oder Spirit F1. Die Samen für die Unterlage sind häufig bereits in einem Set zum Tomaten veredeln enthalten. Es können aber auch andere Sorten als Unterlagen genommen werden. Wichtig ist, dass sie widerstandsfähig gegenüber bodenbürtigen Krankheitserregern sind. Es empfiehlt sich, die Unterlage eine Woche vor der Edelsorte in Anzuchterde auszusäen. Eventuell können die Unterlagen und Edelsorten aber auch zeitgleich ausgesät werden. Welche Pflanzen wann ausgesät werden sollen hängt ganz entscheidend ab von den jeweils verwendeten Sorten. Bei der Tomatenunterlage ‚Estamino‘ empfiehlt es sich sie fünf bis sieben Tage vor einer darauf zu veredelnden Tomatensorte auszusäen. Am besten macht man das im März. Wer ein Zimmergewächshaus mit Licht hat, wie den Romberg Home Garden, kann auch gerne schon eher mit der Aussaat anfangen. Wichtig ist, dass zum Zeitpunkt des Veredelns alle Pflanzen etwa gleich stark sind.

Veredeln

Wenn alle Tomatenpflanzen, sowohl die Unterlagen als auch die Edelsorten, etwa zehn Zentimeter groß sind, können sie veredelt werden. Wichtig ist hierbei die notwendige Hygiene einzuhalten. Das heißt, vor dem Arbeiten sollten die Hände gut gewaschen werden. Außerdem dürfen nur saubere und scharfe Schneidwerkzeuge zum Einsatz kommen. Des Weiteren ist es sinnvoll, etwa eine Stunde vor Beginn alle Pflanzen nochmals gut zu gießen. Dann wird die Unterlage unter dem ersten Blattansatz mit der Rasierklinge abgeschnitten.

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Wichtig für die Veredelung: Eine saubere Schnittstelle! Foto: Christine Schonschek

Die abgeschnittene Unterlage kann im Kompost entsorgt werden. Wer das nicht übers Herz bringt, kann sie wie einen Steckling in gut durchfeuchtete Anzuchterde stecken und in ein weiteres Zimmergewächshaus stellen. Nun wird – sofern vorhanden – der Keramikstift in die Schnittstelle der Unterlage gesteckt. Anschließend schneidet man die Edelsorte ebenfalls unter dem ersten Blattansatz mit der Rasierklinge ab. Der Kopf der Edelsorte wird nun – falls vorhanden – auf den Keramikstift gesetzt. Wenn keine Keramikstifte zur Hand sind, wird der Kopfsteckling der Edelsorte passgenau auf die Unterlage gesetzt und mit dem Silikonclip verbunden. Zur Stabilisierung der beiden Teile kann in das Loch des Silikonclips ein Holzstäbchen gesteckt werden.

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Ein einfacher Clip verbindet die Unterlage mit der Edelsorte. Foto: Christine Schonschek

Versorgen

Kurz nach dem Veredeln kann es sein, dass die Pflanzen zunächst einmal etwas schlapp aussehen. Wenn das Mikroklima im Zimmergewächshaus stimmt, stehen die Chancen gut, dass sie sich wieder erholen und gut zusammenwachsen. Weil die Pflanzen durch diese Operation geschwächt sind, benötigen sie besondere Pflege. Wichtig ist es, sie solange vor Umwelteinflüssen zu schützen und gut mit Wasser zu versorgen, bis die beiden Schnittstellen zusammengewachsen sind. Am besten stellt man die frisch veredelten Tomatenpflanzen in ein Zimmergewächshaus mit transparentem Deckel und sucht dafür einen hellen, warmen Platz möglichst ohne direkte Sonneneinstrahlung. Zum Beispiel hinter einer Milchglasscheibe. Idealerweise sollte im Zimmergewächshaus eine feucht-warmes Mikroklima mit Temperaturen zwischen 22 bis 25 Grad Celsius herrschen.

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Nach der Veredelung müssen sich die beiden Teile ungestört verbinden. Ein Zimmergewächshaus bietet dafür mit seinem Mikroklima einen guten Ort. Foto: Christine Schonschek

Nach etwa einer Woche sollten die beiden Teile zusammengewachsen sein. Vorher den Silikonclip nicht entfernen. Wenn die Veredelung gelungen ist, dürfen die Tomatenpflanzen wieder an Umweltreize gewöhnt werden. Dazu wird jeden Tag der Deckel etwas länger entfernt. Nach einer weiteren Woche können sie dann auch mal bei gutem Wetter nach draußen gestellt werden.

Viel Spaß und gutes Gelingen!

 

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