Naturgarten Teil 4 – Erfahrungsraum für Kinder

„Früher“ haben Kinder nachweislich mehr draußen gespielt. Sie sind auf Bäume geklettert, haben Höhlen gebaut, Tiere entdeckt und einfach das Draußensein genossen. Heute fällt es vielen Kindern schwer, sich draußen in der Natur zu bewegen und zu beschäftigen. Dabei gibt es besonders in einem naturnahen Garten viele Möglichkeiten für Kinder, spannende Erfahrungen und Entdeckungen zu machen.

Draußen sein ist Langweilig?

Wenn Kinder heute draußen im Garten spielen, brauchen sie oft mindestens Rutsche, Schaukel und Sandkästen, damit Ihnen nicht langweilig wird. Auch Außenspielflächen von Kitas, Schulhöfen und auch die meisten öffentlichen Spielplätze enthalten wenig Natur. Außerdem ist in den Augen vieler Eltern das (unbeaufsichtigte) Spielen auf naturnahen Flächen zu gefährlich. Dabei ist die Natur für Kinder ihr angestammter „Entwicklungsraum“ (*Renz-Polster/ Hüther), in dem Sie prägende Erfahrungen machen und wichtige Fertigkeiten entwickeln. Deshalb raten Experten die zunehmend „denaturierten Kindheit“ (*Louv) und einer „immer schneller voranschreitenden Domestizierung der Kinder“ (*Renz-Polster) entgegenzuwirken.

  • Kinder profitieren davon, die Natur mit allen Sinnen zu erleben, sich dort körperlich zu betätigen, auf Entdeckungstour zu gehen oder mit selbst gesammelten Naturmaterialien zu spielen und zu basteln. Sie entwickeln und verbessern motorische Fähigkeiten, werden kreativ und haben Spaß.
Kinder erleben die Natur mit allen Sinnen. Foto: QuerWaldein

Kinder profitieren davon, die Natur mit allen Sinnen zu erleben. Foto: www.QuerWaldEin.de

Basteln & Bauen

Ein naturnaher Garten ist ein toller Ort um mit gesammelten Materialien (Ästen, Steinen, Zapfen, Blättern) zu basteln und etwas zu bauen. Ein all time favourite  ist auch das Bauen von Hütten, Baumhäusern oder Höhlen. Hier werden nicht nur grob- und feinmotorische Kompetenzen geschult, sondern es stärkt auch das Selbstvertrauen und das Gefühl der Selbstwirksamkeit und nicht zuletzt macht es einfach Riesenspaß. Eine wunderbare Beschäftigung ist auch das Anlegen eines Barfußpfads mit verschiedenen Materialien. Hier findet ihr eine Anleitung.

Was krabbelt denn da?

Kinder erleben die Natur mit allen Sinnen und oft noch viel intensiver als Erwachsene, da vieles für sie neu, aufregend und interessant ist. Sie sind außerdem schlicht dem Boden näher und sehen auch oft mehr kleine Dinge und Krabbeltiere wie Käfer, Spinnen, Würmer und Schnecken oder auch Kräuter und Pilze.

In einem naturnahen Garten fühlen sich viele Tiere wohl und so können Kinder Schmetterlinge, Bienen, Kröten, Libellen in ihren verschiedenen Entwicklungsstadien beobachten.

  • Besonders interessante „Studienobjekte“ sind beispielsweise Raupen, die zu Schmetterlingen werden oder Libellen, die sich ganze Jahre im Nymphenstadium befinden und „als Kinder“ ganz anders aussehen als eine ausgewachsene Libelle.

Schmetterlinge, Libellen, Igel, Frösche. In einem naturnahhen garten gibt es viele Tiere zu entdecken. Foto: R.Leemhuis

Schmetterlinge, Libellen, Igel, Frösche: In einem naturnahen Garten gibt es viele Tiere zu entdecken. Foto: R.Leemhuis

 

Was wächst denn da?

Es ist eine prägende Erfahrung für Kinder, zu sehen, wie etwas wächst, besonders, wenn es auch noch essbar ist. Kinder jeden Alters lassen sich für die Gemüseanzucht begeistern. Besonders toll ist es, wenn Pflanzen aus Samen selbst gezogen werden. Es ist einfach faszinierend, wie aus einem kleinen Samenkorn zum Beispiel eine Tomatenpflanze wird. Ältere Kinder ab circa 8 Jahren können auch schon ihr eigenes Beet mit Pflanzen, Blumen und Kräutern anlegen und pflegen.

  • Damit die Motivation bleibt, ist es von Vorteil, dass die Pflanzen schnell keimen und aufblühen und leicht zu pflegen sind.
  • Schnell wachsende Pflanzen für junge Gärtner sind zum Beispiel Feldsalat, Radieschen, Zuckererbsen und Bohnen. Auch Schnittlauch, Kapuzinerkresse, Erdbeeren oder Sonnenblumen lassen nicht nur Kinderherzen höher schlagen.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder mit eigener Pflanzerfahrung ein tieferes Naturverständnis entwickeln. Tipps findet ihr zum Beispiel Hier. Zur Kräuteranzucht mit Kindern im Romberg Mini- Gewächshaus von Bibi Blocksberg schaut doch hier in meinen Artikel.

Klettern , Hüpfen, Balancieren

Neben Naturerfahrung fehlt es Studien zufolge vielen Kindern auch an Bewegung und motorischen Fertigkeiten. In einem naturnahen Garten gibt es viele Möglichkeiten. Schön, wenn es zum Beispiel einen Baum gibt, der erklettert werden kann. Auch findet sich vielleicht ein Baumstamm zum Balancieren. Mit Steinen und Stöckern lassen sich Parcours bauen und verschiedene Hüpf- und Springspiele spielen.

Wasser & Matschen

Kinder werden von Wasser und Matsch magisch angezogen, deshalb ist es ein Segen für sie, wenn sie einen Bereich im Garten haben, in dem sie hemmungslos matschen können. Auch Teiche sind für Kinder ein magischer Anziehungspunkt. Hier können sie auch Kröten und Libellen entdecken oder beim Keschern Wasserkäfer oder Kaulquappen ergattern und beobachten.

  • Allerdings macht es gerade diese Anziehung so wichtig, die Kinder am Wasser immer zu beaufsichtigen und/oder gerade bei kleineren Kindern einen Teich zum Beispiel durch ein Gitter abzusichern.
  • Eine tolle Alternative zu größeren Teichen sind kleine Minitteiche im Bottich. Hier gibt’s eine schöne Anleitung und Tipps.

 Natur ist überall

Auch wenn Ihr keinen großen naturnahen Garten habt, ist es möglich, Kindern Naturerfahrungen zu ermöglichen. Es locken zum Beispiel ein nahegelegener Wald. Letztlich lässt sich aber ringsumher Natur erleben und erfahren. Denn überall krabbelt eine Ameise über einen Stein oder wächst ein Löwenzahn am Wegesrand. Und auch auf dem Balkon gedeihen Kräuter und auch Gemüse gut in Kübeln oder Kästen.

Erwähnt sei in diesem Zusammenhang noch der Verein Quer Wald ein, der „ quer durch die Stadt aber auch jenseits davon haustürnahe Naturorte aufsucht und erlebbar macht.“

Weitereführende Infos:

Louv, Richard: Das letzte Kind im Wald? Geben wir unseren Kindern die Natur zurück! Weinheim, Basel: Beltz 2011

Renz-Polster, Herbert/Hüther, Gerald: Wie Kinder heute wachsen. Natur als Entwicklungsraum. Ein neuer Blick auf das kindliche Lernen, Denken und Fühlen. Weinheim, Basel: Beltz 2013

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