Spalierobst, Zitrusfrüchte, wärmende Mauern

Wenn Früchte Spalier stehen

Spalier, Gartenmauer, Wandbegrünung, Obstgehölze

Foto: Christine Schonschek – An den Gartenmauern im botansichen Garten in Dublin wachsen Obstgehölze.

Kürzlich habe ich im botanischen Garten in Dublin verschiedene Nutzgehölze gesehen, welches als Spalierobst an der Gartenmauer empor rankte. Da wurde mir mal wieder klar, eine reiche Ernte muss nicht unbedingt einen großen Garten voraussetzen. Denn mit Hilfe von Spalieren – also Rahmen aus Holz oder Spanndrähten – lassen sich viele Obstgehölze besonders platzsparend kultivieren. Eine ideale Kulturform also für alle Balkon- oder Stadtgärten.

Spalierobst kann dank seiner flächigen Wuchsform als Sicht- oder Windschutz sowie zur Fassadenbegrünung oder als Trennung verwendet werden, um verschiedene Gartenbereiche zu untergliedern. Letztere werden dann freistehend in den Garten gepflanzt. Das beste Vorbild für Spalierobst sind Weinreben. Um die gewünschte flächige Wuchsform zu erreichen müssen beim Spalierobst die Äste in Schräglage oder sogar bis zur Waagrechte gebracht werden. Üblicher Weise stehen sich die Fruchttriebe auf zwei Seiten gegenüber.

Spalierobst, Apfelbaum, platzsparend gärtnern,

Foto: Christine Schonschek – Apfelbaum der in als doppelte U-Form gezogen wurde.

Gestaltungsformen

Es gibt verschiedene, zum Teil sogar kunstvolle, Gestaltungsmöglichkeiten bei der Spalierobsterziehung. Um einen Obstbaum zum Spalier zu erziehen, werden meist sehr junge Gehölze verwendet. Denn sie lassen sich noch leicht biegen. Prinzipiell basieren alle Spaliere auf der Grundform des sogenannten Schnurbaumes. Die jeweilige Form hängt stark von der ausgewählten Baumart ab sowie vom Standort und dem dortigen Platzangebot. An alten Bauernhäusern kann man zum Teil zugewachsene Fassaden sehen, bei denen nur die Fenster ausgespart sind. Zu den beliebtesten Spalierformen gehören die einfache und die doppelte U-Form, der Fächer und die Palmette. Für die Erziehung zum Spalierobst eignen sich nicht nur klassische Obstgehölze wie Apfel, Birne, Quitte und Sauerkirsche. Vor allem, wenn sie an schützenden Mauern mit südlicher Ausrichtung emporranken können, entwickeln sich wärmeliebende Kulturen wie Pfirsich, Aprikose, Kiwi, Mini-Kiwi, Feige und Wein besonders gut. Aber auch Obststräucher wie Himbeeren und Brombeeren eignen sich prima fürs Spalier. Bei der Auswahl des Obstes muss auch daran gedacht werden, dass manche Arten wie Äpfel und Birnen einen Partner für die Befruchtung brauchen. Im Handel und Baumschulen sind bereits entsprechend erzogene Spalierobstbäume erhältlich. Am besten lässt man sich in der Baumschule beraten, welcher Baum der passende für den eignen Garten ist. Auch der Besuch eines entsprechenden Schnittkurses ist empfehlenswert. Alternativ kann man auch einen Experten dafür beauftragen.

Spalierobst, Weinrebe, Kiwi

Foto: Christine Schonschek – Links die Weinrebe wurde in der U-Form gezogen während rechts die Kiwi als Fächer wächst.

Freistehend am Zaun oder einem Rankgerüst

Manche Obstsorten wie etwa Äpfel oder Himbeeren werden eher an freistehenden Rankgerüsten gezogen. Diese Form, die in Nord-Süd-Richtung verlaufen sollte, eignet sich insbesondere für kleine- und schwachwüchsige Obstformen. Zwar werden die Früchte am Freispalier meist nicht so süß und reifen etwas später. Aber dafür sind sie in der Regel von beiden Seiten gut zugänglich und von daher insgesamt etwas leichter zu pflegen.

Anlehngewächshaus, Spalier, Wandbegrünung

Foto: Christine Schonschek – Im gut belüfteten Anlehngewächshaus lassen sich ebenfalls prima Obstgehölze als Spalier kultivieren.

Angeschmiegt an wärmenden Wänden

Zahlreiche, vor allem wärmeliebende Obstsorten, lassen sich gut zu essbarem Fassadenschmuck kultivieren. Die Mauern heizen sich während des Tages auf und können so während der Nacht den Obstbaum wärmen. Auf diese Weise lassen sich selbst in raueren Gegenden empfindliche Obstsorten anbauen, die sonst eher nur in südlichen Ländern zu finden sind. Wichtig ist hierbei natürlich eine ausreichende Wasserversorgung. Um Pilzkrankheiten vorzubeugen, sollten die Rankgerüste einen Abstand zwischen zehn bis fünfzig Zentimeter von der Wand haben. Im Allgemeinen gilt, dass Weinreben, Birnen und Pfirsiche einen sehr sonnigen Standort bevorzugen. Sie können also an eine Süd- oder Westfassade gepflanzt werden. Für halbschattige Standorte eignen sich Äpfel, Aprikosen, Kirschen und Pflaumen. Sogar an einer Nordfassade kann Obst heranwachsen. Dort bringen zum Beispiel Sauerkirschen schmackhafte Früchte hervor. Es muss aber nicht immer eine Fassade sein. Auch an Gartenmauern kann das Spalierobst emporranken. Dabei muss die Mauer nicht zwingend als Umgrenzung des Grundstücks dienen, sondern kann auch mitten im Garten stehen, um diesen zu unterteilen oder Rückzugsnischen zu schaffen. Die erhoffte Ernte leckerer Früchte ist also ein triftiger Grund über eine freistehende Mauer im Garten nachzudenken. Allerdings muss hierbei unbedingt die Statik beachtet werden.

Spalierobst, Anbinden,

Foto: Christine Schonschek – Die Äste sollten mit elastischen Bändern am Rankgerüst befestigt werden, um ein Einwachsen zu vermeiden.

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