Krokusse unter Laubdecke

Vergessene Blumenzwiebeln verspätet pflanzen

Trotz sorgfältiger Planung kann es vorkommen, dass man mal ein Tütchen mit Blumenzwiebeln übersieht und es erst im November – oder gar Februar! – bemerkt. Ich bin zumindest Spezialistin darin, im Alltagstrubel die Pflanztermine zu vergessen oder es wegen vielfältiger anderer Aufgaben einfach nicht zu schaffen. Wie in dem Jahr, als mich jemand mit über hundert unterschiedlichen Blumenzwiebeln überraschte, und ich keine Ahnung hatte, wo ich die eigentlich alle unterbringen sollte. Bis ich fertig überlegt hatte, war es Ende November und nach landläufiger Meinung längst zu spät für das Setzen von Blumenzwiebeln. Aber, davon habe ich mich natürlich nicht abhalten lassen.

Krokusse unter Laubdecke

Da mir das nämlich nicht zum ersten Mal passiert ist, wusste ich, dass meine Zwiebelblumen im nächsten Jahr auch immer zum Vorschein kamen, wenn ich sie sehr spät eingebuddelt hatte. Wichtig dabei ist:

Der Herbstboden darf noch nicht gefroren sein

Das hat zum einen praktische Gründe. Denn einen hart gefrorenen Boden aufzulockern ist ein ziemlicher Kraftakt. Und auf der anderen Seite ist so ein gefrorener Boden wohl auch ein ziemlicher Schock für das Zwiebelgewächs. Die Zwiebel sollte wenigstens eine kleine Chance bekommen, sich im Boden wohlzufühlen. Und dafür ist ein kleines bisschen Vorabeit sinnvoll. Auch wenn ich gestehen muss, dass ich zu Beginn meiner Gärtnerkarriere auch Novemberzwiebeln einfach so in den Boden steckte und diese im nächsten Jahr blühten. Aber ich könnte mir vorstellen, dass sehr empfindliche Zwiebelblumen damit nicht hervorzulocken sind und einfach im Boden verfaulen. Ich bin damals nach dem Motto vorgegangen: Besser ich versuche es, als dass ich die nicht eingepflanzten Zwiebeln irgendwann entsorgen muss. Dann hätten sie nicht einmal eine Chance gehabt. Aber man lernt ja dazu.

Heute bereite ich das Pflanzloch gründlich vor. Generell ist lockerer Boden für Blumenzwiebeln sinnvoll, und gerade, wenn der „späte“ Boden schon durch den vielen Novemberregen ziemlich verdichtet ist, bietet sich eine Erdmischung an, die beispielsweise mit ein wenig Sand aufgelockert wird. Bessere Ergebnisse erzielt ihr aber, wenn ihr unter die vorhandene Gartenerde rund ein Drittel Romberg Kokos-Anzuchterde mischt. Die Kokoserde hält den Boden locker und regt die Wurzelbildung an. Diese geht bei Kälte zwar ohnehin langsamer vonstatten, aber so hat die Zwiebel zumindest eine Chance sich noch einzuleben, bevor es dann richtig ungemütlich wird.

Wichtig: Die wärmende Laubdecke

Apropos ungemütlich: Ihr könnt die schlimmste Kälte noch eine Weile länger von den Zwiebeln fernhalten, indem ihr das Laub auf den Beeten lasst (oder von irgendwo anders welches holt) und das Zwiebelbeet damit abdeckt. Das ist sogar grundsätzlich eine gute Idee für Beete. Mir taten immer schon die Pflanzen leid, bei denen die Gärtner vor dem Winter die Beete von jedem einzelnen Laubblatt befreiten und die kahle Erde ungeschützt dem eisigen Wetter darboten. Wir decken uns ja auch zu, wenn uns kalt ist. Und wenn man sich die Natur nur ein wenig anschaut, kann man ja ganz einfach sehen, dass die Bäume ihre Blätter nicht ohne Grund abwerfen:

  • Sie führen sie dem Stoffkreislauf zu und sorgen somit für Düngung im darauffolgenden Jahr.
  • Sie wärmen die unter ihnen wachsenden Pflanzen (und ihre eigenen Wurzeln) mit der Laubdecke.

Nirgends in der Natur wird man offenen Boden finden. Im Sommer wird er von Wildkräutern überwachsen, um das Auswaschen von Nährstoffen und das Austrocknen des Bodens zu verhindern. Im Herbst schützt das Laub. Der leere, „ordentliche“ Boden ist eine Erfindung übereifriger Gärtner ;-).

Unter anderem deshalb haben moderne Gärtner ja auch das Mulchen der Beete wiederentdeckt. Das Ziel: Keine Angriffsfläche für Hitze und Kälte bieten.

Herbstlaub ist eine besondere Mulchdecke, die man im Idealfall nicht einmal extra herbeischaffen muss. Ihr solltet nur ein wenig darauf achten, welches Laub sich auf eurem Blumenzwiebelbeet niederlässt: Das Laub von Eichen und besonders vom Walnussbaum zersetzt sich sehr, sehr langsam und hat einen hohen Säuregehalt. Das mögen empfindliche Zwiebelblumen nicht so sehr und ist eher für kleine Parkbewohner tolerabel, wie Krokusse, Winterlinge, Schneeglöckchen, etc., die auch gerne verwildern und sich großflächig unter den Bäumen ausbreiten. Eine prämierte Tulpenzüchtung würde ich lieber mit weniger saurem, kleinblättrigen Laub abdecken. Aber die würde ich tunlichst sowieso nicht vergessen und sie schon im September einpflanzen :-).

Die wärmende Laubdecke solltet ihr besser im zeitigen Frühjahr entfernen, wenn die Spitzen der Zwiebelblumen aus dem Boden schauen.

Die wärmende Laubdecke solltet ihr besser im zeitigen Frühjahr entfernen, wenn nur die Spitzen der Zwiebelblumen aus dem Boden schauen.

Vergessene Zwiebeln im Frühling stecken

Ich habe ja die leise Hoffnung, dass ich nicht die Einzige bin, die es auch schon geschafft hat, Blumenzwiebeln erst im Februar wiederzuentdecken … Wenn sich hier Leidensgenossen befinden – ich habe gute Nachrichten: Die Zwiebeln müssen nicht verloren sein!

Zunächst solltet ihr den Bestand überprüfen. Verschimmelte oder vertrocknete Zwiebeln müsst ihr natürlich direkt entsorgen. Aus ihnen wird auch mit noch so liebevoller Pflanzlochvorbereitung keine Blume mehr wachsen. Aber meist sind ja nicht alle Zwiebeln kaputt. Manche zeigen sogar schon einen kleinen Keim. Für diese gibt es dann zwei Möglichkeiten:

  • Wenn der Boden nicht mehr gefroren ist, könnt ihr versuchen, sie direkt ins Beet zu stecken. Das Pflanzloch solltet ihr so vorbereiten, wie oben beschrieben. Nachteil: Diese Zwiebeln brauchen jetzt ein wenig mehr Zeit und werden später blühen als ihre Artgenossen. Möglicherweise sind sie auch weniger stabil, aber einen Versuch ist es trotzdem wert.
  • Wer auf Nummer sicher gehen will, pflanzt die Zwiebeln in Schalen und Kästen. Auch hierbei mische ich Blumenerde mit einem Drittel Sand oder Rombergs Kokos-Anzuchterde. Anfangs stelle ich sie ins Gewächshaus, und wenn die Sonne mehr Kraft hat, dürfen die Schalen dorthin, wo sie auch in Zukunft stehen sollen. Eine weitere Variante, die auch Kinder sehr gerne mögen: Ihr pflanzt einzelne Zwiebeln (oder drei kleinere) in einen Blumentopf und stellt ihn auf die Fensterbank. Da es dort i.A. recht warm ist, beginnen die Zwiebeln bald auszutreiben und ihr habt Frühlingsboten im Zimmer.

Doch egal, wofür ihr euch entscheidet: Es ist natürlich allemal sinnvoller, sich an die richtigen Pflanzzeiten zu halten und die Zwiebeln im September zu stecken.

Zusatztipp

Es ist übrigens eine schöne Idee für ein Frühlingsgeburtstagskind, das kommende Alter in Zwiebeln zu stecken. Dafür Pflanzlöcher in Zahlenform ausheben und vorbereiten wie oben beschrieben. Wenn ihr die jeweilige Blütezeit beachtet (am besten nehmt ihr kurzstängelige Zwiebelblumen), blühen die Zahlen dann relativ pünktlich zum Geburtstag. Auch Herzen und Smileys sind hübsch und besonders für Kinder ein Spaß – schon beim Stecken. Aber hier solltet ihr dann auch die richtige Pflanzzeit einhalten, damit der Erfolg garantiert ist.

Text und Fotos: Petra A. Bauer 2017

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