Die Bauerngartenfee ist im Zimmerdschungelfieber

Petras Gartenkolumne: Zimmerdschungel

Die Bauerngartenfee ist im Zimmerdschungelfieber
Die Bauerngartenfee ist im Zimmerdschungelfieber

 

Es begann ganz harmlos mit Tulpenzwiebeln auf dem Fensterbrett, da war ich sieben Jahre alt. Bald gesellten sich Ableger der Zimmerpflanzen meiner Mutter dazu: Grünlilien, Aloen, Sanseverien. Die Aloe fannd ich hässlich und wollte sie sterben lassen – das dankte sie mir mit einer Blüte. Seither mochte ich sie und einige ihrer Nachfahren zieren bis heute unser Haus.

Meine kakteenverrückte Tante schenkte mir ein Schälchen mit Mammillarien und Cereen, die ich leider zu viel goss. Wieder was gelernt. Als Teenager bekam ich zum Geburtstag Pflanzengeschenke, u.a. eine Yucca, deren Nachfahren … siehe oben. Da die Yucca bei den miesen Nordfenster-Lichtverhältnissen gerne mal von unten verkahlte, nahm ich immer wieder Kopfstecklinge davon, genau wie von der riesigen Dieffenbachia, die mein Mann 1983 mit in die Beziehung brachte. Der letzte Kopfsteckling steht derzeit in einem Glas und schlägt Wurzeln.

Ich sah viele Pflanzen kommen und (ein)gehen. Das traurigste Ereignis war wohl, als Theo starb. Ein Drachenbaum, den ich 1982 als Pflanzenbaby für 5 Mark in einem Pflanzenladen im Forum Steglitz kaufte und der als einzige meiner Pflanzen jemals einen Namen hatte. Warum? Ich weiß es nicht. Fast 30 Jahre später starb er vor der Badezimmerheizung, weil ich viel zu spät gemerkt hatte, dass das wohl nicht der richtige Platz war und er zu trocken stand. Ersatz kam in Form der Drazäne die ich von meiner Mutter geerbt habe. Kein Name. Keine Pointe.

Den über 30jährigen Kaktus meines Mannes habe ich auch gekillt, jedoch rechtzeitig für Nachwuchs gesorgt. Meine in Cullera / Spanien gepflückten Ohren einer Opuntie sind nach vielen Jahren im Garten erforen, wo ich sie vergessen hatte. Und die ebenfalls 1982 gekaufte Madagaskarpalme, ein stattliches Exemplar, habe ich in einem Anfall von Kümmerwut versehentlich überdüngt.

Die meisten Zimmerpflanzen halten es recht lange mit mir aus, entweder als Original oder als x-ter Ableger. Neu gekaufte Exemplare gehen öfter mal beinahe ein, bis sie sich an die neuen Verhältnisse gewöhnt haben. Mit manchen hatte ich nie Glück, wie z.B. mit Ficus pumlia. Der Kletterfeige war die Luft immer zu trocken bei uns.

Wieso ich heute darüber berichte? Ich habe nach ihrem Auszug das Zimmer von Kind 2 für mich annektiert. Es ist klein, hat aber ein Südwestfenster. Mit einem leeren Fensterbrett. Also es war leer, bevor ich dem Pflanzenrausch verfallen bin. Ficus Pumila will nicht? Maranta leuconeura mochte die Lufttrockenheit auch nicht? Und das Bubiköpfchen zickte immer rum? Ha! Nicht mit mir!

Ich verwandelte eine Ikea-Glasvase nebst Muscheln in einen Zimmerspringbrunnen, kaufte einen großen Blumenkasten, Kletterfeige, Bubikopf, Grünlilie, Philodendron scandens „Grand Brazil“ und tat alles zusammen in den Kasten. Daneben Kalathea, Bananenstaude und eine Pelargonie von draußen. Nun plätschert es auf dem Fensterbrett (nichts für Menschen mitt schwacher Blase), die Luftfeuchtigkeit scheint der Kletterfeige gut zu tun und ich bin seither voll auf dem Dschungeltrip. Überall schaue ich, ob es nicht Ableger zu nehmen oder Pflanzen zu kaufen gibt, die ich früher mal besaß. Syngonium, z.B., die Purpurtute. Eine Beaucarnea, eine Strahlenaralie oder den Nachfolger der Madagaskarpalme. Mir fallen sicher noch mehr ein, nach denen es sich zu suchen lohnt.

Im neuen Zimmer stehen jedenfalls schon eine Sanseverie und Philodendronstecklinge auf dem Schreibtisch, ein Grünlilienableger guckt aus dem Hängetopf am Heizungsrohr, ein Pothos-Steckling baumelt in einer Makrameeampel (aus den 70ern?) an der Zimmerdecke. Der Nachfahre einer geschenkten Monstera in einen großen Pott getopft, steht in zweiter Reihe vor dem Fenster. Schälchen mit Brutblatt-Babys sind überall verteilt.

Gleich muss ich zum Arzt, ein Rezept abholen. Daneben ist ein Gartencenter …

(wenn ihr nichts mehr von mir hören solltet, haben mich die Pflanzen verschluckt und es sieht hier aus, wie im Zimmerdschungel des Australiers Matthieu Gallois)

© Petra A. Bauer, November 2014

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