Am 28. März wird in jedem Jahr der Ehrentag des Unkrauts begangen. Foto: Petra A. Bauer

Petras Gartenkolumne: Unkraut kuscheln

Am 28. März wird in jedem Jahr der Ehrentag des Unkrauts begangen. Foto: Petra A. Bauer

Am 28. März wird in jedem Jahr der Ehrentag des Unkrauts begangen.

Habt ihr heute schon ein Gänseblümchen geküsst oder euren Giersch umarmt? Also nicht heute, sondern vor vier Tagen. Da war nämlich der Ehrentag des Unkrauts, wie in jedem Jahr am 28. März. Aber da man ja auch Mütter nicht nur am Muttertag gut behandeln soll, sondern rund ums Jahr, wäre es ja nur fair, jeden Morgen in den Garten zu gehen und das Unkraut zu streicheln, anstatt es auszurupfen.

Aber was ist eigentlich Unkraut? Und werden die anderen Pflanzen nicht sauer, wenn das Unkraut geherzt wird und sie nicht? Das Leben kann echt kompliziert sein.

Wikipedia definiert Unkraut folgendermaßen:

Als Unkraut bezeichnet man Pflanzen der spontanen Begleitvegetation in Kulturpflanzenbeständen, Grünland oder Gartenanlagen, die dort nicht gezielt angebaut werden und aus dem Samenpotential des Bodens oder über Zuflug zur Entwicklung kommen. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist das Hauptkriterium, um eine Pflanze als Unkraut zu bezeichnen, dass sie unerwünscht ist.

Spontane Begleitvegetation. Dieses Begriffsungetüm ist mir schon während meines Stadtplanungsstudiums in den 80ern andauernd begegnet. Es war einer der hilflosen Versuche, den negativen Beigeschmack des Wortes „Unkraut“ zu neutralisieren. Immerhin würde es im echten Wortsinn bedeuten, dass Unkraut kein Kraut ist. Aber was dann? Da haben wir den Salat.

Die 80er-Jahre Naturkuschler sind liebevoller an die Begriffsveränderung herangegangen und auf „Wildkraut“ verfallen. Aber Goldrute und Sonnenauge sind mitnichten wild, kann man sie doch in jedem Gartencenter kaufen. Bei mir haben sie per Samenverteilung ganze Gartenteile überwuchert und daher trotzdem Unkrautstatus erreicht.

Mein Wurmfarm poppt überall auf, wo er nicht soll. Unkraut? Foto: Petra A. Bauer

Mein Wurmfarm poppt überall auf, wo er nicht soll. Unkraut?

Dasselbe gilt für den Wurmfarn in meiner Wald-Ecke. Ich hatte vier Pflänzchen bei einer Freundin im Garten ausgegraben und ihn im schattigen Bereich unseres Gartens  eingepflanzt. Inzwischen muss ich in jedem Jahr den Gartenweg entfarnen, da die Rhizome sich mit unglaublicher Geschwindigkeit ihren Weg durch die Erde bahnen und Farnbabys an den unmöglichsten Stellen aufpoppen.

Auch das Gras wächst bei mir wie Unkraut. Allerdings weniger auf der dafür vorgesehenen Rasenfläche, sondern auf Wegen und Beeten.

A propos Gras: Der Ehrentag des Unkrauts ist amerikanischen Ursprungs und heißt eigentlich Weed Appreciation Day. Es ist leider nicht nachzuvollziehen, wer genau diesen Gedenktag ins Leben gerufen hat, aber ich habe inzwischen die Vermutung, dass es ganz anders ist als wir denken: Bestimmt waren es irgendwelche Kiffer, die ihre Droge angemessen würdigen wollten. Immerhin ist Weed die amerikanische Entsprechung dessen, was bei uns Gras genannt wird, also Marihuana.

Ich geh dann mal auf die Plantage, Cannabis kraulen. Peace, Leute!

© Petra A. Bauer, März 2016

2 Kommentare zu “Petras Gartenkolumne: Unkraut kuscheln

  1. Sehr interessanter Artikel. Hoffe Sie veröffentlichen in regelmäßigen Abständen solche Artikel dann haben Sie eine Stammleserin gewonnen. Vielen dank für die Informationen.

    Gruß Anna

  2. Ich spanne den Bogen gerne noch etwas weiter. Nicht nur die unerwünschte Begleitvegetation wird gerne ohne Rücksicht, auch jeder kleine Schnupfen oder Kopfschmerz wird mit Medikamenten behandelt. Und abweichenden Meinungen wird gerne mit Propaganda begegnet. Unkraut wächst im Kopf des Betrachters, nicht nur wenn es ums Weed geht.

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