Von Bienchen und Blümchen

Petras Gartenkolumne: Summ, summ, summ …

Von Bienchen und Blümchen

Von Bienchen und Blümchen und dem ganzen Rest

 

Berlin, Ende Februar. Knallblauer Himmel, die Vögel zwitschern. Ich jogge im T-Shirt durch den Wald und an blühenden Gärten entlang. Krokusse, ok, nicht ungewöhnlich. Tulpen schon eher. Überall frisches Grün an den Hecken. Und kein Temperatursturz in Sicht, geschweige denn Schnee.

Nicht, dass ich mich darüber beschweren möchte. Schnee wurde schließlich erfunden, damit man auf langen Brettern Berge hinunterrutschen kann. Nicht, um Großstädtern das Autofahren zu erschweren. Und ich genieße den frühen Frühling sehr.

Insektenplage

Bis mir einfällt, dass fehlender Frost Insektenplage im Sommer bedeutet. Mücken und Wespen vor allem, die sich Platz Eins auf dem Siegertreppchen der Insektenolympiade in der Disziplin „Petra quälen“ teilen.

Von mir aus hätte man Insekten nicht erfinden müssen. Höchstens Schmetterlinge und Libellen, die sind so hübsch. Und Marienkäfer. Und die Hummeln, die ich als Kind „Bär-Biene“ nannte, weil sie aussehen, als hätten sie kuschliges Fell. Und… achja, Bienen. Denn wenn die Bienen sterben, stirbt vier Jahre später auch die Menschheit aus, soll Albert Einstein gesagt haben. Und wenn Einstein das sagt, wird es wohl relativ richtig sein.

Aber Aussterben ist nicht so meins. Der Mensch ist vielleicht nicht wirklich die Krone der Schöpfung, wenn man sich mal in der Nachbarschaft oder in der nächsten Eckkneipe umsieht. Dazu machen wir auch selber zu viel kaputt. Aber im Großen und Ganzen sind wir schon okay. Immerhin waren wir in der Lage so coole Dinge wie Computer, iPhones und Rasenmäher zu erfinden. Da müssten wir doch auch etwas basteln können, womit wir ohne Bienen überleben, wenn es hart auf hart kommt. So eine Erfindung ist eigentlich überfällig, denn immerhin sterben jetzt schon viele Bienenvölker am Befall mit Varroamilben.

Bienchen und Blümchen

Jogging wird langsam anstrengend. Ich lenke mich mit weiteren bienlichen Überlegungen vom Gefühl des nahenden Herztods ab: Synthetischen Honig gibt es ja schon. Aber mir scheint, das ist nicht das Kernproblem. Uns würden die eifrigen Blütenbestäuber fehlen, weil Hummeln alleine den Blumensex wohl nicht schaffen.  Es gäbe folglich immer weniger Pflanzen. Die meisten Tiere und Vegetarier würden als erstes verhungern. Und danach sterben dann auch Allesfresser und Feinschmecker aus. Die letzten Worte werden sein: „Wir hatten ja nix!“

Ich jogge weiter und freue mich, dass ich noch nicht ausgestorben bin, obwohl ich mich so fühle, als sei ich kurz davor.

AI = Artificial Intelligence Insects

Was, wenn jemand künstliche Bienen erfinden würde? Drohnen gibt es ja schon, das muss doch auch kleiner gehen. Die Robo-Bienen sind dann so programmiert, dass sie keine Amazon-Pakete abwerfen, sondern einfach nur von Blüte zu Blüte fliegen und alles bestäuben, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Oder eigentlich auch das.

Statt leise zu summen, rattern die kleinen Metallbestäuber durch die Landschaft, tack, tack, tack. Aber daran gewöhnen wir uns schnell. Treten wir versehentlich drauf, gibt es keinen Stich (Bienengiftallergiker werden das begrüßen), sondern es fühlt sich an, wie barfuß nachts im Kinderzimmer auf Legosteinen.

Schöne neue Welt

Irgendwann in ferner Zukunft sind dann auch die Pflanzen synthetisch und wir alle zu Androiden geworden, die auf Kunstschnee (ach, gibt es ja schon!) die Berge runterrutschen. Ob die dann auch unseren Spaß haben? Ob sie sich über Kunststoffblumen im Februar freuen?  Und über Frühlingsluft? Gibt es dann überhaupt noch Luft? Brauchen Androiden Sauerstoff? Ich schon, und zwar dringend! Höchste Zeit, die Joggingrunde zu beenden …

© Petra A. Bauer, Februar 2014

Mindmap

Mindmap zur Robobienen-Kolumne.

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