Osterglocken im Dezemberschnee. Foto: Petra A. Bauer

Petras Gartenkolumne: Selbermachen

Es ist Ende Januar und Winter hatten wir noch nicht, wenn man von drei Tagen Schnee kurz nach Weihnachten absieht. Im Bauerngartenfee-Garten ist alles auf Frühling eingestellt. Ich fege das restliche Herbstlaub zusammen, rode einen Mini-Eichenhain, dort, wo im Sommer die Gartenhaus-Terrasse entstehen soll und schaue den (offenbar zufrüh eingebuddelten) Osterglocken beim Wachsen zu. 20 Zentimeter haben sie schon. Und der Dezemberschnee hat ihnen auch nichts ausgemacht.

Osterglocken im Dezemberschnee. Foto: Petra A. Bauer

Osterglocken im Dezemberschnee. Foto: Petra A. Bauer

Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Winter schon noch kommen wird, aber bislang deutet nichts darauf hin. Falls doch, habe ich auch drinnen genug zu tun. In mir ist nämlich die Lust am Selbermachen wieder erwacht. Socken stricke ich ja irgendwie immer mal, aber neuerdings beglücke ich die ganze Familie mit Mützen und Handschuhen. Und wenn nachher endlich die neue Wolle kommt (DHL-Tracking sei Dank, weiß ich, dass es heute so weit ist), werde ich nach gefühlten Äonen auch endlich wieder einen Pullover stricken. Ich freue mich tierisch darauf! Und ich habe mir im Internet einen Spinn-Kurs herausgesucht, den ich im nächsten Monat machen möchte.

Doch damit nicht genug: Kürzlich erwischte ich mich beim Brot backen. Auch das tue ich hin und wieder, aber das letzte Mal ist ein Jahr her und ich möchte die Intervalle definitiv verkürzen.

Auf meiner Liste steht auch: Größeren Vorrat an Nudeln herstellen. Zum letzten Geburtstag bekam ich eine Pasta-Maschine und seither haben wir einige Male Tagliatelle und Ravioli produziert und direkt frisch gegessen. Nun ist aber mein Ehrgeiz erwacht, und ich möchte mir einen Vorrat anlegen, denn mir ist die Lust auf gekaufte Nudeln seither vergangen. Auch selbst gebackener Kuchen muss öfter mal sein, finde ich. Oder Muffins. Die sind so schön einfach zu backen und man kann sie gut mit in die Schule geben. Und gestern habe ich meinen Dörrautomaten herausgekramt und Birnenchips fürs Müsli produziert.

Für heute steht „Pflücksalat säen“ auf meiner To-Do-Liste. Ich will das in diesem Jahr früher machen, weil unsere Meerschweinchen und Kaninchen so einen großen Appetit haben. Ein Außengehege soll in diesem Jahr auch gebaut werden und immer öfter denke ich daraüber nach, mir Hühner zu halten. So eine kleine Cityfarm wäre toll, vielleicht noch mit ein- zwei Schafen dabei, dann lohnt sich auch der Spinnkurs. Allerdings könnten wir dann nicht mehr in den Urlaub fahren. Für unsere niedlichen Kleintierchen finden wir immer jemanden zum Aufpassen, aber wem könnte ich Hühner und Schafe zumuten? Eben. Niemandem.

Dabei liege ich mit meinen Überlegungen voll im Trend: Hühnerhaltung ist wieder schwer angesagt. Überhaupt erlebt dieses ganze „Zurück zur Natur“ und „Selbermachen“ eine heftige Renaissance. Vermutlich ist das verklärte Bild vom Leben auf dem Lande dran Schuld, was wir Großstädter ja gerne kultivieren. Und im Prinzip ist daran ja nichts verkehrt. Und zwar, weil wir nicht dazu gezwungen sind, es zu tun. Wenn ich aufs Nudeln-Selbermachen keine Lust mehr habe, dann hole ich sie eben wieder aus dem Supermarkt, genau wie den Salat für die Tierchen. Wir sind nicht darauf angewiesen, das macht diese Selbermach-Idee so attraktiv.

Brot backen im Sommer macht auch nur noch halb so viel Spaß. Auch dickes Strickzeug auf dem Schoß ist bei 30°C nur mäßig attraktiv. Also warte ich auf den Schnee, um ein bisschen Landidylle zu spielen, wenn ich draußen an die Beete nicht mehr herankomme. Weil ich es kann.

© Petra A. Bauer, Januar 2015

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