Marathon. Foto von ChiccoDodiFC, Fotolia.de

Petras Gartenkolumne: Gartenmarathon

Am Sonntag war wieder Berlin-Marathon, wie an jedem letzten Wochenende im September. Die Stadt brummte in den letzten Tagen vor lauter Vorfreude – ein Gefühl, das Gärtner aus dem Vorfrühling kennen.

Marathon. Foto von ChiccoDodiFC, Fotolia.de
Laufen und ich, das ist eine immerwährende Hassliebe. Vermutlich, weil ich einfach zu doof dazu bin, obwohl ich so gerne sportlich wäre (wie ihr auf unsportlich-na-und.de nachlesen könnt). Weil ich dabei aber wirklich eine sehr traurige Figur abgebe, war es mir eine zeitlang sogar zu peinlich durch den einsamen Wald zu laufen. Stattdessen joggte ich im Garten.

Kreislauf

Ja, ihr habt richtig gelesen: Jogging im Garten. Immer im Kreis auf der Wiese herum. Das ist sehr viele Jahre her, und mal ehrlich – im Wald begegnen mir höchstens mal ein paar Wildschweine und Spaziergänger, aus deren Blickfeld ich schnell (naja, nicht schnell, aber zumindest werde ich sie wohl nicht wiedersehen) wieder verschwinde. Im Garten hatten meine Nachbarn dagegen die ganze Zeit Spaß an meinem Rumgekrücke. Vorausgesetzt, sie haben aus dem Fenster gesehen, aber davon gehe ich heute aus.

Falls vor eurem geistigen Auge jetzt eine kreisförmige Furche im Rasen auftaucht – so wild habe ich es dann doch nicht getrieben.

Nach dem Marathon sind alle Läufer mehr oder weniger kaputt. Das kennen wir Gärtner auch, wenn wir endlich damit fertig sind, die Ernte einzubringen und zu verarbeiten. Dann jedoch setzt eine tiefe Befriedigung ein – ebenso, wie nach einem überstandenen Lauf. Sei es ein Marathon, ein Ultralauf oder zwei überstandene Anfänger-Kilometer.

Start – Ziel – Sieg

Gärtnern hat auch etwas von einem Marathon. In jedem Frühling (Start) verpassen wir den perfekten Zeitpunkt zur Aussaat oder zum Auspflanzen (Fehlstart! – ich bin immer entweder zu früh oder viel zu spät dran).

Auf der Strecke rupfen wir überall Unkraut (prima für die Oberschenkelmuskulatur). Wenn alles so richtig grünt und blüht fahren wir in den Urlaub und müssen anschließend Blumen und Gemüse suchen, weil es – Überraschung! – vollständig unter Unkraut verschwunden ist.

Also weiterrupfen, auch wenn wir eigentlich nicht mehr wollen und können (das ist der Hammermann bei 35 Kilometern). Bis es zur schon erwähnten Ernte geht gibt es noch viel zu tun – also ab an den Verpflegungsstand, Wasser tanken!

Schließlich sinken wir mit dem Lorbeerkranz um den Hals darnieder, umzingelt von Zucchini, Tomaten, Äpfeln und Kräutern. Noch während wir uns den Schweiß von der Stirn wischen, planen wir schon den nächsten (Garten-)Marathon:

  • Was werden wir im kommenden Jahr anbauen?
  • Welches Gemüse werden wir ins Ziel bringen?
  • Wer wird uns dabei zujubeln?

Das wird sich sicher finden – in der TrainingsWinter-Pause haben wir genügend Zeit, um darüber nachzudenken.

Ich gehe jetzt erstmal um meinen Kürbis joggen.

© Text: Petra A. Bauer, September 2015, Foto: ChiccoDodiFC, Fotolia.de

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