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Petras Gartenkolumne: Gärtnerwurzeln

Berlin versinkt in grauer Tristesse, Laub ist gefegt, Schnee muss ich noch nicht schippen, da habe ich mal Zeit zu erzählen, wie meine Liebe zum Gärtnern eigentlich begann:
Meine Omi hatte einen Mietergarten in Berlin, ganz in der Nähe ihrer Wohnung. Ich gehöre zu den Babyboomern und bekam keinen Kitaplatz, also wuchs ich in den ersten Jahren quasi dort auf. Ich war immer ganz wild darauf im Garten zwischen Flieder, Kirschbäumen und Tulpen zu werkeln. Als ich etwa fünf Jahre alt war hatte ich eine Idee: Ich wollte Omi helfen, also grub ich um. Da man es damals mit der Aufsicht nicht so ganz genau nahm, hatte ich ziemlich viel Zeit, um mein Werk voranzubringen. Aufsicht wäre vermutlich doch besser gewesen, denn meine Omi sog scharf die Luft ein, als sie schließlich in den Garten kam: Ich hatte den größten Teil ihres Gartenweges umgegraben… Geschimpft hat sie glücklicherweise nicht. Enkel dürfen alles – das weiß ich ja inzwischen auch 😉

KuerbisIndoorgärtnern

Als Kind besaß ich neben vielen hundert anderen Büchern einen dicken Wälzer: „Das große Hobbybuch für kleine Leute“. Dort befand sich nicht nur das komplette Sütterlin-Alphabet und Anregungen zum Briefmarkensammeln, es gab auch die Geschichte eines Mädchens, das Tulpen auf der Fensterbank zog und in den Ferien im Garten eines Freundes ein Beet anlegen durfte. Ich experimentierte künftig mit Tulpen, Hyazinthen, Lychees, Kürbissen und anderen Gewächsen, die mein Vater dann vertrocknen ließ, als ich verreist war.

Anfang der 80er kaufte ich mir viele Zimmerpflanzen und bekam auch etliche zu allen möglichen Anlässen von Freunden geschenkt. Damals war es total angesagt, Pflanzen zu verschenken. Mein Liebling war ein Drachenbaum namens Theo, der mich bis vor ein paar Jahren begleitetete, bis ich ihn im Garten bei Frost vergaß.

Grüne Fassaden

Ich entdeckte mein Herz für Fassadenbegrünung während meines Studiums im Studiengang Stadt- und Regionalplanung und habe sogar eine Semesterarbeit darüber geschrieben. Wir wohnten allerdings in einem Miethaus, und so bekam ich leider keine Erlaubnis, die Fassade mit Kletterpflanzen zu begrünen. Ich begnügte mich damit, in einer alten Obstkiste die ich mit einer Plastiktüte ausgeschlagen hatte, vier Paprikapflanzen auf dem Balkon zu ziehen. Das Saatgut hatte ich aus Supermarktpaprika gepult. Das Ergebnis war ziemlich gut, weil ich mit selbst angesetzter Brennesseljauche gedüngt hatte.

Gemüse auf der Tiefgarage

Nachdem wir anlässlich des ersten Kindes aus unserer Einzimmerwohnung ausgezogen waren, erntete ich selbst gezogene Tomaten und Zucchinis. Wir waren in eine Neubauwohnung gezogen, unter deren Hof die Tiefgarage lag. Auf dem Balkon kletterten Knöterich und fünfblättriger Wilder Wein. Aber ich wollte mehr. Also holte ich von der Hausverwaltung die Erlaubnis ein, ein kleines Stück des Rasens zu entfernen und dort Gemüse anzubauen. Auf dem Garagendach, hinter einem Schuppen (so dass ich leider die Stelle vom Fenster aus nicht sehen konnte), trennte ich ein Beet ab, das ich nach allen Regeln des biologischen Gartenbaus bearbeitete: Mit Senfsaat bereitete ich das Beet als Gründüngung vor. Dann arbeitete ich Horn-, Blut und Knochenmehl in die Erde ein und während der Wachstumsphase des Gemüses kam wieder Brennesseljauche zum Einsatz.

Und was soll ich sagen? Ich erntete Zucchini, die zweieinhalb Kilo wogen!

Inzwischen weiß  ich natürlich, dass man Zucchini schon bei einer Länge von ca. 25 cm pflücken soll, aber damals war ich einfach nur stolz auf mein Mega-Gemüse. Ich habe die Zucchini in Würfel geschnitten und eingefroreen, so dass ich immer einige Würfel davon in Eintöpfe werfen konnte.

Die Tomaten wurden leider von Kindern in den Gulli geschmissen. Sowas gab es also auch damals schon. Schade, denn die Tomaten (oder was davon noch übrig war) sahen toll aus und es war das einzige Mal, dass meine Tomaten keine Krautfäule hatten – ohne Regenschutz!

Der eigene GartenGarten mit Pusteblumen und Vergissmeinnicht

Zu dem Haus, was wir später kauften, gehören ca. 600 qm Garten. Leider wächst das Unkraut hier draußen viel schneller als in der Stadt, und bis heute habe ich noch nicht alle „Altlasten“ entfernt. Denn eigentlich wollte ich den Garten ja gerne nach meinen Wünschen gestalten und nicht nach denen der Vorbesitzer.

Glücklich bin ich mit dem Garten nur halb. Nie wieder hatte ich so fantastische Zucchini, die Tomaten verregnen oder kommen mit dem Gewächshausklima nicht klar, meine Lieblingsblumen, die Stockrosen (Alcaea rosa) weigern sich bis heute hartnäckig in unserem Garten überhaupt zu wachsen, dabei sind sie für mich der Inbegriff eines Bauerngartens. Da war es wieder… Anspruch und Wirklichkeit

Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht dazu komme anständige Gründungung auszubringen oder Brennesseljauche anzusetzen. So much to do, so little time. Mit vier Kindern ist einfach immer zu viel anderes zu tun. Außerdem gab es Jahre, in denen habe ich vor lauter Bücherschreiben das Haus praktisch nicht mehr verlassen. Und seit das Enkelbaby mich fast rund um die Uhr beschäftigt … You got it.

Es kommen auch wieder andere Zeiten. Hoffe ich. Denn ich würde mir die kindliche Freude an den Pflanzen (und am Umgraben von Gartenwegen) schon noch eine Weile erhalten.

© Petra A. Bauer, November 2015

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