Reineke Fuchs benutzt unsere Terrasse als Toilette. Foto: Petra A. Bauer 2018

Petras Gartenkolumne: Fuchs, du hast den Schlaf gestohlen

Wir wohnen in Berlin-Reinickendorf. Der Name leitet sich von Reineke Fuchs ab, der auch unser Bezirkswappen ziert. Trotz allem konnte ich mich kaum daran erinnern, mal einen Fuchs live und in Farbe gesehen zu haben . Mein Vater hatte mal einen entdeckt als ich Teenie war oder so. Meine eigenen Fuchssichtungen beschränkten sich bislang auf tote Tiere entlang der Autobahn.

Seit einigen Monaten hat sich das geändert. Immer häufiger spazierte ein Fuchs durch unseren Garten. Oder mindestens zwei: Ein großer, kräftiger und einer, der ziemlich abgemagert aussah, den ich aber auch nur einmal zu Gesicht bekam.
Immer, wenn ich den großen Fuchs sehe, erschrecke ich mich. Ich hatte Füchse irgendwie katzengroß im Kopf, aber „unser“ Exemplar hat eher die Größe eines Schäferhundes. Ich habe immer versucht ihn zu fotografieren, aber Reineke war stets schneller als ich mein iPhone zücken konnte. Bis auf neulich.
Ich saß am Rechner. Mein Arbeitsplatz befindet sich nah an der Tür zum Wintergarten und ich bemerkte in den Augenwinkeln eine Bewegung auf der Terrasse vor dem Glasanbau. Der Fuchs! Fünf Meter von mir entfernt!
Ich stand vorsichtig vom Stuhl auf, das iPhone im Anschlag. Ich wollte abdrücken, da hockte sich der dreiste Geselle hin und machte einen riesigen Haufen auf unsere Terrasse! Verscheuchen ging nicht mehr, und so gelang mir ein Foto von Hern Fuchs im Weggehen (mitten durch die Sonnenblumen und den Mais) nebst Haufen auf der nagelneuen Terrasse. Ein Meisterwerk der Fotografie.
Reineke Fuchs benutzt unsere Terrasse als Toilette. Foto: Petra A. Bauer 2018

Reineke Fuchs benutzt unsere Terrasse als Toilette. Foto: Petra A. Bauer 2018

Seid froh, dass es keine Geruchs-App für Blogs gibt, denn ich musste blitzartig die Glaswände schließen, weil der Gestank wirklich bestialisch war. Und da die Konsistenz dieser Hinterlassenschaft nicht besonders fest war, blieb mir zunächst nichts übrig, als den Haufen zu lassen wo er war und ihn von der Sonne austrocknen zu lassen. Dazu musste ich natürlich die neugierige Miss Kleinkind von der Stelle fern halten. Abgesehen vom Ekelfaktor denke ich natürlich zu allererst an den Fuchsbandwurm, auf den wir wirklich nicht scharf sind.
Als ich den vertrockneten Haufen einige Tage später entfernte (ich weiß genau, weshalb wir keinen Hund haben …), blieb auf den neuen Terrassensteinen ein brauner Fleck zurück, den der freundliche Gartenbauer mit der Flex beseitigte. Gewusst wie!
Ich hatte das Foto auf Instagram gepostet und erhielt viele Infos und Tipps, wie z. B. den, unseren Förster anzurufen, was allerdings noch auf meiner To-Do-Liste steht. Jemand schrieb, Füchse würden auf diese Art ihr Revier markieren – gerne an erhöhten Stellen. Unsere Terrasse ist rd. 80 cm hoch angelegt.
Dass der Fuchs hier tatsächlich sein Revier hat, haben wir in den letzten Nächten auf andere Art erfahren: Da es sehr heiß war und unser Schlafzimmer auf dem aufgeheizten Dachboden liegt, war sogar ich diesmal dafür, bei offenem Fenster zu schlafen (ich kann das normalerweise wegen des Lärms der Vögel und Autos nicht). Leider hörten wir etwa zweimal pro Minute etwas, das wahlweise wie das Dauerbellen eines Hundes oder das heisere Lachen einer alten Frau klang. Fenster zu und schwitzen.

In der nächsten Nacht wiederholte sich das Geräusch-Spektakel. Allerdings noch lauter. Ich nahm den Lärm mit dem Smartphone auf und spielte es den Kindern vor, die von dem ganzen Getöse natürlich nichts mitbekommen hatten. Kind 4 fiel dabei sofort ein, dass es wie der Fuchs aus dem Tiergeräuschebuch von Miss Kleinkind klingt. Und richtig: Einmal über das Fuchsfell im Buch gestreichelt, und schon erklang unverkennbar das nächtliche Geräusch:

Das Tiergeräuschebuch von Miss Kleinkind brachte Klarheit über den Ursprung des nächtlichen Lärms. Foto: Petra A. Bauer 2018

Das Tiergeräuschebuch von Miss Kleinkind brachte Klarheit über den Ursprung des nächtlichen Lärms. Foto: Petra A. Bauer 2018

Wir gehören also zum Fuchsrevier, und im Prinzip könnte uns das egal sein, wenn da (neben dem Krach) nicht zwei Dinge wären, die uns ein wenig Sorgen machen:
Im Nachbar-Ortsteil wurde kürzlich ein kleines Mädchen im Garten der Eltern von einem Fuchs gebissen, obwohl sie sich dem Tier nicht einmal genähert hatte. Tollwut durch Füchse gab es hier zwar seit Jahren nicht mehr, aber Traumatisierung durch einen Biss reicht ja als Schreckgespenst bereits aus.
Desweiteren haben wir uns gefragt, wie lange es wohl dauern wird, bis der Fuchs nicht VOR sondern IN den Wintergarten kackt. Womöglich auf unser gemütliches Sofa. Wir können die Glastüren nicht dauerhaft geschlossen halten, da sich der Raum sonst schnell mal auf über 50°C aufheizt.
Und so versuchen wir nun herauszufinden, ob es etwas gibt, das Reineke davon abhält, sich zu sehr in sein neues Revier zu verlieben. Vielleicht hat einer der Leser ja ein probates Mittel gefunden?
Miss Kleinkind und unsere Möbel wären ewig dankbar.
Text und Fotos: Petra A. Bauer 2018

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