Nicht nur in der Landwirtschaft, auch in privaten Gärten werden Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt. NABU/ E. Neuling

Naturnaher Garten Teil 3 – Gärtnern ohne Gift

Gift passt nicht in einen naturnahen Garten, denn es schadet Tieren, Mensch und Umwelt. Erfreulicherweise gibt es Alternativen zu Schneckenkorn, Glyphosat und Co.

Zwar ist die Landwirtschaft das Haupteinsatzgebiet für Pestizide, aber auch in privaten Gärten wird häufig mit der Giftspritze hantiert: Über 5000 Tonnen Pestizide werden in Deutschland pro Jahr in privaten Gärten verteilt. 90 Tonnen davon enthalten den viel diskutierten Inhaltsstoff Glyphosat. Leider bleibt der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln, Unkrautvernichtern und Kunstdüngern nicht ohne Folgen.

Nicht nur in der Landwirtschaft, auch in privaten Gärten werden Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt. NABU/ E. Neuling

Nicht nur in der Landwirtschaft, auch in privaten Gärten werden Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt. NABU/ E. Neuling

Gefahr für Tiere

Durch das Ausbringen von Pestiziden werden in vielen Fällen nicht nur Schädlinge vernichtet, sondern auch Nützlinge wie Marienkäfer, Bienen und Hummeln getötet. Auch auf Bäume aufgesprühte Insektenvernichtungsmittel können zum Beispiel Eichhörnchen das Leben kosten. Schneckenkorn oder Gartendünger mit Blaukorn können außerdem zu Vergiftungserscheinungen bei Igeln, Mäusen und auch bei Katzen und Hunde führen.

Auswirkungen auf  die Umwelt

Die ausgebrachten Giftstoffe reichern sich auch im Boden, in Gewässern, in Lebensmitteln und in der Luft an und können so auch in den Organismus von Menschen und Tieren gelangen. Besonders giftig sind Pestizide auch für Amphibien, Fische und andere WasserorganismenHier beim NABU findet Ihr eine Liste mit Inhaltsstoffen von derzeit zugelassenen Mitteln und die möglichen Gefahren für Umwelt, Insekten und Gewässer.

Alternativen

Um gegen „Unkraut“ und Schädlinge vorzugehen, gibt es erfreulicherweise tier- und umweltfreundliche Alternativen.

Jäten, Fugenkratzen & heißes Wasser

Um unerwünschtes Kraut einzudämmen, ist das mechanische Jäten oder das Auszupfen eine gute Methode, die allerdings etwas Zeit und körperlichen Einsatz erfordert. Ich erinnere noch lebhaft, dass wir Kinder oft meiner Oma beim Fugenkratzen mit dem Messer geholfen haben. Damals hat das richtig Spaß gemacht und wir waren akribisch bei der Sache. Auch heute gilt:  Wenn Du es sorgfältig durchführst (am besten vor der Samenreife) und gegebenenfalls die Wurzeln mit ausstichst oder kratzt, hast Du eine Zeitlang „Ruhe“. Außerdem hilft es, nicht alles zu genau zu nehmen und die Schönheit an dem „wilden Wuchs“ zu entdecken. Meine Mutter schwört unterdes auf kochendes Wasser. Besonders Unkraut in engen Fugen bekommst Du so schnell und einfach weg. Übrigens: Auch in einigen Kommunen wird mittlerweile Unkraut erfreulicherweise nicht mehr weggespritzt, sondern „weggedampft“.

Mulchen

Eine Decke aus Mulch verhindert Unkrautwuchs, schützt den Boden und liefert außerdem Futter für nützliche Bodenorganismen, die  sich auch positiv auf die Bodenfruchtbarkeit und die Pflanzengesundheit auswirken. Du hast die Wahl zwischen mineralischen Mulchstoffen wie Kies, Sand oder Splitt  und organischen Stoffen wie Rindenmulch, Stroh oder Gras. Mehr Tipps zum Mulchen findest Du HIER auf dem tollen Blog  von Laura und Basti, auf dem sich alles um den Naturgarten dreht.

Bodendecker  & Wildblumen

Bodendecker bilden eine dichte, bestenfalls  dauerhafte Pflanzendecke und verhindern so das Aufkeimen bzw. Ausbreiten  von „Unkraut“. Indem Du Wildblumenmischungen einsäst oder Bodendecker wie Waldmeister oder kriechenden Günsel anpflanzt, kannst Du also unerwünschten Wuchs eindämmen.

Bei der Mischkultur unterstützen sich gute Nachbarn gegenseitig und machen den Einsatz von Pestiziden unnötig . Foto: Marie/www.wurzelwerk.net

Bei der Mischkultur unterstützen sich gute Nachbarn gegenseitig und machen den Einsatz von Pestiziden unnötig . Foto: Marie/www.wurzelwerk.net

Mischkultur und natürlich Düngen

Der gezielte, nachbarschaftliche Anbau von Gemüsearten auf einem Beet hat viele Vorteile. Gute Nachbarn wachsen zusammen und schattieren das Beet, der Boden trocknet nicht aus und Unkraut wird minimiert.  Vor allem schützen und fördern sich bestimmte Pflanzen bei der Schädlingsabwehr gegenseitig. So hilft Schnittlauch zum Beispiel gegen die Karottenfliege und die ätherischen Öle des Knoblauchs schützen Erdbeeren vor Grauschimmel. Eine typische Mischkultur sind  zum Beispiel auch Möhren und Zwiebeln, denn Möhren helfen  gegen Zwiebelfliegen und Zwiebeln gegen die Möhrenfliege. Tolle Tipps und Anbaupläne findest Du Hier auf dem schönen und informativen Blog von Marie .

Statt chemischem Dünger kannst Du sehr gut auf Wildkräuter wie Löwenzahn, Ackerschachtelhalm und Brennnesseln setzen und daraus einen Dünger herstellen.  Hier findest du eine Anleitung zur Herstellung von Brennesseljauche.

Wenn Du Deinen Garten naturnah gestaltest, ziehen viele nützliche Tiere ein. ie die Erdkröte, die gerne Schnecken frisst. Foto: Sebastian Schnell/www.naturgartenideen.de

Wenn Du Deinen Garten naturnah gestaltest, ziehen viele nützliche Tiere ein. Hier die Erdkröte, die gerne Schnecken frisst. Foto: Sebastian Schnell/www.naturgartenideen.de

Nützlinge stärken

Grundsätzlich gilt es einen guten Lebensraum für Nützlinge zu schaffen, indem Du zum Beispiel Sellerie oder Dill anpflanzt. Die Blütenschirme solcher Doldengewächse ziehen zahlreiche nützliche Insekten wie Schwebfliegen an. Ihre Larven fressen Blattläuse in rauen Mengen. Auch Wespen und Hornissen sind Nützlinge, die einen Großteil der sogenannten Schadinsekten in unseren Gärten auf dem Speiseplan haben.  Die ausgewachsenen Tiere ernähren sich von Nektar, Baum- oder Fruchtsäften, aber die Brut wird mit Mücken, Schnaken, Fliegen, Spinnmilben, Raupen und Blattläusen gefüttert. Auch Marienkäfer fressen Läuse  und Schlupfwespen legen ihre Eier in die Larven und die Eier verschiedener Gartenschädlinge und verhindern so deren Entwicklung. Mehr zu einem insektenfreundlichen Garten findest Du Hier in meinem Artikel.

Auch wenn du Kröten einen angenehmen Lebensraum schaffst, profitierst Du, denn sie fressen zum Beispiel gerne Nacktschnecken oder  Kartoffelkäferlarven.

Schnecken in Schach halten

Schneckenkorn tötet Schnecken.  Es vernichtet auch nützliche Schnecken wie den Tigerschnegel  und durch Schneckenkorn können auch Vögel und Spitzmäuse, die vergiftete Schnecken essen, Schaden nehmen.

Es gibt andere Methoden, um Schnecken in Schach zu halten:

  • Schneckenzäune, die von Schnecken nicht überklettert werden können, werden dicht um das Beet platziert. Wichtig ist, dass keine Blätter darüber hängen, da die Schnecken diese als Kletterhilfe nutzen.
  •  Nützlinge:  Setze andere Schneckenarten, wie den Tigerschnegel ein, der sich von abgestorbenen Pflanzen, von Pilzen und auch von den Eiern anderer Nacktschnecken ernährt. Auch ein Steinhaufen oder ein Laub- oder Reisighaufen und eine naturnahe Gestaltung lockt viele Nützlinge in den Garten, die helfen, die Wegschnecke fernzuhalten. Zu ihnen gehören Laufkäfer, Bänderschnecke, Blindschleiche, Kröten und Igel.
  • Hochbeete sind eine gute Alternative, denn die Pflanzen sind hier relativ sicher. Hohe  Wände zu erklimmen ist für Schnecken nur schwer möglich. Zusätzlich kannst Du  das Hochbeet mit einem Kupferband sichern.
  • Sammeln: Schnecken legen ihre Eier in dunkle Ecken und im Boden ab. Hier können sie gesammelt werden. Erwachsene Schnecken tummeln sich gerne unter Brettern und großen Blättern und können dort besonders gut am frühen Morgen eingesammelt werden.

Viele nützliche Tipps findest Du auch HIER.

Schneckenkorn ist auch giftig für dén schönen Tigerschnegel, der in der Regel Deinen Salat in Ruhe lässt und sogar die Eier von Wegschnecken essen soll. Foto: Sebastian Schnell/www.naturgartenideen.de

Schneckenkorn ist auch giftig für den schönen Tigerschnegel, der in der Regel Deinen Salat in Ruhe lässt und sogar die Eier von Wegschnecken essen soll. Foto: Sebastian Schnell/www.naturgartenideen.de

Verbot von Gift in Gärten?

In Frankreich ist seit Januar 2019  die Abgabe von Pestiziden an Amateurgärtner und der Einsatz in Haus- und Kleingärten verboten. Für französische Kommunen gilt zudem schon seit zwei Jahren: Öffentliche Grün- und Sportanlagen müssen ohne Gifteinsatz gepflegt werden. Ein Verbot ist hierzulande zwar in naher Zukunft nicht in Sicht, aber einige Baumärkte verzichten bereits freiwillig auf die Abgabe von Produkten, die Glyphosat oder die bienenschädlichen Neonikotinoide enthalten. Außerdem wird in verschiedenen Kommunen auf kommunalen Flächen ohne chemischen Pflanzenschutz gearbeitet.

Mehr Infos zum Thema giftfreies Gärtnern und viele Ideen rundum einen tierfreundlichen Garten findet Ihr zum Beispiel auf  www.naturgartenideen.de  oder beim NABU.

 

Anfängergemüse-rieke

 

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