aussaat haematocactus

Kakteen-Kinderstube

Vor der Tür liegt zwar noch Eis und Schnee, das ist aber längst kein Grund, nicht schon mal mit ein paar Aussaaten die Frühjahrs-Vorfreude anzuregen. Als überzeugte Kakteen–Balkongärtnerin habe ich natürlich kleine Stachelgewächse ausgesät, in diesem Jahr vor allem Seeigel-Kakteen (Astrophytum), Haematocactus und Lophophora (Peyote-Kakatus). Das war vor ungefähr acht Wochen. Inzwischen hat sich einiges getan in der Kakteen-Kinderstube:

 

 

Vorbereitung

Kakteen aussäen erinnert mich immer etwas an’s Marmelade kochen 😉 Es ist in beide Fällen wichtig, möglichst steril zu arbeiten. Damit wird bei der Kakteen-Aussat die Wahrscheinlichkeit für Schimmel und Algenbefall minimiert. Kakteen brauchen mineralisches Substrat. Das kann man sich entweder selbst aus Perlit, Bimskies, etwas Tongranulat und Lava anmischen und anschließend fein aussieben. Oder man greift auf das relativ teure, mineralische Kieselgur zurück. Ich bin diesmal einem Geheimtipp aus der Kakteenszene gefolgt und habe ein bestimmtes, dafür besonders gut geeignetes Katzenstreu (s. Einkaufsliste) verwendet. Klingt lustig und verrückt, hat aber bestens funktioniert. Das Aussaatsubstrat wird im Backofen bei 250 Grad für 30 min erhitzt. Alternativ kann man es für ein paar Minuten in die Mikrowelle geben. In der Zwischenzeit kocht man Regenwasser ab. Nach dem Abkühlen gibt man eine halbe Tablette Chinosol auf 1 Liter Regenwasser, ebenfalls um Schimmel zu vermeiden. Die Aussattöpfchen werden mit dem sterilen Substrat gefüllt und in der Chinosol-Regenwasser-Lösung angestaut, bis das Substrat ganz durchgefeuchtet ist. Einige Kakteenfreunde reinigen die Kakteensamen vorher ebenfalls in Chinosollösung oder beizen sie. Darauf habe ich bei meiner Aussaat verzichtet.

Kakteen aussäen

Dann ist es endlich so weit, die Kakteensamen können auf das feuchte Substrat aufgestreut werden. Die Aussattöpfchen werden anschließend mit lichtdurchlässigem Quarzsand abgestreut. So bleiben die Samen am Platz, erhalten aber genügend Helligkeit. Das ist wichtig für den Aussaaterfolg, denn die meisten Kakteen und Sukkulenten sind Lichtkeimer. Ihr Zuhause finden die kleinen Stachler bei mir in hübschen, bunten Minigewächshäusern von Romberg – ein hübscher Farbtupfer im Wintergrau. Die Gewächshäuschen habe ich allerdings für die Bedürfnisse der Kakteen ein wenig angepasst: Die seitlichen Lüftungsschlitze habe ich zugeklebt, damit die Aussaat vor Trauermücken geschützt bleibt. Die haben Babykakteen nämlich zum Fressen gern. Auch die richtige Temperatur ist wichtig für die Kakteen – Aussat. Kakteensamen mögen’s warm: Ideale Keimtemperaturen herrschen für die gewählten Arten bei 25 Grad. Bei mir steht die Aussaat auf der ganz leicht aufgedrehten Heizung. Eine Heizmatte leistet aber ebenso gute Dienste.

Erste Pflege in der Kakteen – Kinderstube

Obwohl Kakteen Wüstenpflanzen sind, brauchen sie eine hohe Luftfeuchtigkeit zum Keimen. Daher stelle ich die Töpfchen in der Anfangszeit in luftdichte, geschlossene Plastikdosen (Heimchendosen aus dem Terraristikbedarf). Auch wenn die Neugier groß ist, in den ersten Tagen wird nicht die Nase rein gesteckt, die Dosen bleiben zu. Nach erfolgter erster Keimung – bei den meisten Arten schon nach ca. einer Woche – werden die Deckel der Dosen geöffnet, um für bessere Belüftung zu sorgen und die Kleinen langsam an die große weite Welt zu gewöhnen:)

Wenn sich die ersten Stacheln zeigen, kann vorsichtig mit Düngen begonnen werden. Ich sprühe die Babykakteen in den ersten Wochen ca. 1-2 Mal am Tag an. Einmal die Woche gibt’s Kakteendünger in halber Konzentration, ebenfalls aus der Sprühflasche. Jetzt müssen die kleinen Kakteen nur noch schön fleißig wachsen. Sobald der Frühling da ist, dürfen sie dann raus und sich auf dem Balkon sonnen.

 

Wer’s nachmachen will findet hier noch mal alles Nötige im Überblick:

  • mineralisches Aussaatsubstrat (in meinem Fall Katzenstreu „Avancat Deluxe“; nur online erhältlich)
  • Vierkanttöpfchen Größe 6 ( davon passen 24 Stück in ein Marco-Minigewächshaus)
  • Ausreichend Licht ( z.B.Leuchtstoffröhren, Lichtfarbe 865, 36 Watt)
  • Kakteensamen ( gibts in Kakteen-Spezialgärtnereien)
  • Chinosol aus der Apotheke zum Sterilisieren von Saatgut und Gießwasser
  • Regenwasser
  • Quarzsand zum Abstreuen der Aussaat
  • Mini-Gewächshäuser

 

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Bei Cactus Practice gibt es Geschichten und Gedanken rund ums Hobbygärtnern mit stachligen und anderen Gewächsen, Tipps für Aussaat und Pflege von Kakteen, Sukkulenten und Epikakteen, Hoyas, Stapelien, Ceropegias, Schlumbergeras, Passionsblumen, Opuntien uvm. Experimentalgärtnern auf kleinem Raum mit viel Enthusiasmus!

 

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