Umzug mit Pflanzen

„Der bleibt da aber nicht stehen?“ – Vom Umzug mit Pflanzen

Umzug mit Pflanzen

„Fassen Sie das vorsichtig an, das hat Stacheln“, höre ich mich im Traum sagen, während mich der russische Umzugsfahrer bereits vorwurfsvoll mit blutig gekratzten Unterarmen anschaut. Nein, so sollte er nicht ablaufen, der Umzug von meinem alten zum neuen Balkon.

 

Wer meinen Blog kennt, weiß, dass ich auf dem schönen großen Balkon meiner letzten Wohnung das Balkongärtern entdeckt habe. Mit zwei bis drei großen Rosenstöcken im Topf, diversen Blumentöpfen, dem gefühlten Fünftonner an Gemüsekübel und jeder Menge Kleinkram.

 

 Erster Stopp: Biotonne

Das alles soll nun mit umziehen, ohne Pflanzen, Balkonen oder Umzugshelfern Schaden zuzufügen. Der erste Schritt war das Ausmisten. Schätze, wie der halb erfrorene Oregano, der Blumenkästeninhalt und das Wickengestrüpp vom letzten Jahr kommen in die erste Fuhre – Destination Biotonne.

 

Nachdem die Wickenranken entfernt sind, kommt auch das Balkongeländer wieder zum Vorschein. Unschön fällt auf, dass das Geländer der über 90jährigen Nachbarin weiß leuchtet, wohingegen das Meinige – nunja – eher dunkelgrün abfällt. Minuspunkte beim Vermieter! Die Punkte Geländer Schrubben, Fugen Auskratzen und gründlich Fegen wurden soeben der To-Do-Liste hinzugefügt.

 

Stahlschwamm 1 – Algen

Mit Putzeimer und Stahlschwamm schrubbe ich beim nächsten Packbesuch Algenbelag vom Geländer. Gut sieht das aus, hätte man auch schon mal früher… aber wo ich schon dabei bin, lohnt es doch, direkt die leeren Blumenkästen auszuwaschen. So sind sie auf dem neuen Balkon nach dem Umzug gleich einsatzfähig.

 

BALKON male ich mit dickem Edding auf die Umzugskiste mit den kleinen Blumentöpfen, Balkonkastenhalterungen, Dünger, Erden, Rosenschere…. Ich freue mich ein bisschen, dass meine Rombergsche Popup-Erde total leicht ist und kaum Platz in der Kiste braucht.

 

 Geordneter Rückzug

Nur was tun mit den Rosen? Sie könnten die Umzugshelfer verletzen. Oder die Umzugsgüter könnten ihnen beim Transport Leid antun – abgerissene Zweige, geknickte Haupttriebe…! Dann lieber mit der Schere den geordneten Rückzug antreten, der Rosenschnitt ist eh bald fällig. Ruckzuck hab ich Jacques Cartier und Rosenstadt Freising eine transportable Kurzhaarfrisur verpasst, die seitlich nicht mehr über den Kübel raussteht. Wie bei anderen Entführungsopfern kommt gleich noch ein Sack über den Kopf (und wird sorgfältig in den Topfrand gesteckt).

 

Mein neuer Balkon ist eher von der kleinen zierlichen Sorte. Das ist schade, weil er damit nicht zum dicken Fünftonnerkübel passen will. Mit zahlreichen Rosen, Pflanzen und Gießwasser obendrauf sollte man auch die Statik nicht überschätzen. Den etwas vernächlässigten Innenhof würde mein Kübel sicher hervorragend verschönern.

 

Falscher Standort

„Der bleibt da aber nicht stehen, oder?“, schallt es am Umzugstag aus dem Innenhof nach oben, während ich vom Balkon aus schwitzend mein Werk betrachte. Der Riesenkübel, von den Russen idyllisch zwischen zwei Bambuskübel gewuchtet, erregt das Missfallen der Mieterin der unteren Büros, nennen wir sie Frau Bambus.

 

Da könne er keinesfalls stehenbleiben, informiert mich Frau Bambus, da kämen nämlich immer ihre überwinterten Pflanzen hin; und an den Zaun auch nicht, sonst kommt man ja mit den Kartons nicht vorbei; und überhaupt, der Fluchtweg! „Das müssen Sie ja verstehen“. Ich möchte natürlich keine Gewohnheitsrechte verletzen und sage zu, das Ungetüm in Bälde auf den Standort am Müllhaus zu verfrachten.

 

Nach den Umzugsstrapazen des Montags bestelle ich für Donnerstag durchtrainierte Unterstützung, um den Kübel zu bewegen – die ich bereits Mittwochsmorgen wieder abbestelle. Wie von Zauberhand muss der Fünftonner alleine in Richtung Müllhaus geschwebt sein. Entzückt stelle ich fest, dass ich meinen Kübel vom Fenster gleich viel besser sehen kann. Danke, Frau Bambus!

 

Garten-Guerilla im Innenhof

Die Rosen haben die Fahrt im Umzugswagen unbeschadet überstanden. Dank neuer Nachtfröste und Schnee behalten sie die Jutehaube noch eine Woche auf. Über das innerstädtische Mikroklima des Balkons sinnierend träume ich bereits von Teehybriden und Noisetterosen. Zieht die vielleicht jemand erfolgreich in München? Das wird sicher toll auf dem neuen Balkon!

 

Und zum Glück hat niemand gemerkt, dass ich meine übrig gebliebene Ananasminze heimlich ins Innenhofbeet gesetzt habe. Falls hier jemand mitliest: Schmeckt super im Salat und ihr dürft alle ernten. Besonders Sie, liebe Frau Bambus!

 

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