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Den Garten im Sommer richtig gießen

Der Sommer 2018 wird unter Garantie als einer der trockensten Sommer in den letzten Jahren eingehen. Es hat so wenig geregnet, dass sich die Felder in Wüstenlandschaften verwandelt haben. Dazu hatten wird überdurchschnittlich viele Sonnenstunden und die Tagestemperaturen überstiegen an mehreren Tagen in Folge die 30° Marke.

Und was tut der Gärtner, wenn es heiß und trocken ist im Garten? Was für eine Frage, natürlich gießen!  Da wir in unserer Kleingartenanlage keinen Wasseranschluss haben, sind wir auf Regenwasser angewiesen. Ende April waren alle Regentonnen noch voll. Normalerweise reicht die Menge Wasser bis ca. Mitte-Ende Juni. Zu dieser Zeit haben wir hier bei uns die Kieler Woche, die größte Segel-Regatta der Welt, und traditionell sehr viel Wind und Niederschlag. In dieser Zeit werden die Wassertonnen wieder gefüllt und alles ist in Ordnung. Aber nicht in diesem Jahr.

Weil es so heiß und trocken war, wurde natürlich sehr viel und oft gegossen. Und gerade das war falsch.

In der Zeit wo Gießwasser so kostbar ist, ist es wichtig auf ein paar Sachen besonders zu achten, um sich selbst, aber auch den Pflanzen, das Ganze etwas leichter zu machen.

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Pflanzen haben einen unterschiedlichen Wasserbedarf, weil sie verschiedene Wurzeln haben. Flachwurzler wie Zwiebel, Kartoffel, Radieschen, Schalotte und Feldsalat, müssen häufiger gegossen werden, aber auch nicht jeden Tag.
Mitteltief- und Tief-Wurzler kommen mit weniger Wassergaben aus. Dazu gehören Karotte, Artischocke, Paprika, Rote Rübe, Spargel, Tomate, Winterendivie, Mangold, Blumenkohl, Lupine, Pastinak und Sonnenblume, sowie Wirsing und Weißkraut. Auch sog. Herz-Wurzler  (Pflanzen, deren Wurzelsystem aus vielen kräftigen Hauptwurzeln besteht, die in alle Richtungen verlaufen und im Querschnitt herzförmig aussehen) kommen mit weniger Wasser aus. Dazu gehören Kohlrabi, Kopfsalat, Spinat, Erbsen, Grünkohl, Brokkoli, Erdbeere, alle Asia-Salate, Kopfsalat, Bohnen.

In einem an Nacktschnecken reichen Jahr sollte das Gießen morgens stattfinden. In einem sehr trockenem Jahr wie jetzt, auch abends. Der Vorteil liegt darin, dass bei niedrigeren Temperaturen der Boden nicht ganz so schnell austrocknet, wie es zur Mittagszeit der Fall wäre.

Auch oft mit wenig Wasser zu gießen ist sehr ungünstig. Angenommen wir haben eine 10 Liter Kanne und bewässern damit eine Fläche von 1 qm². Der Boden wird mit der Menge Wasser nur ca. 1 cm tief durchfeuchtet. Nach einer oder zwei Stunden ist der Boden wieder trocken. Was hat die Menge Wasser gebracht? Gar nichts!  Aber wenn wir alle 5 Tage die 5-Fache Menge Wasser nehmen, und denselben 1 qm² gießen, werden wir eine Schicht von 5 cm Tiefe befeuchten. So wird die Pflanze viel länger davon profitieren. Damit die Feuchtigkeit nicht allzu schnell verdampft, können wir etwas nachhelfen und den Boden rund um die Pflanze täglich harken. Zusätzlich können wir die Gemüsebeete auch mulchen, z.B. mit Rasenschnitt o.ä. Bei Erdbeeren wäre auch eine Mulchfolie zu empfehlen.

Pflanzen mit großer Blattmasse, wie manche Gurkensorten oder Tomaten, brauchen mehr Wasser.

Gemüse mit tiefen Wurzeln, z.B. Dicke Bohnen, Möhren oder Mangold, schaffen es locker eine Woche ohne Wasser. In einer Trockenzeit kann sich der Gärtner glücklich schätzen, wenn seine Gemüsebeete teilweise schattig gelegen sind. An solchen Stellen ist der Wasserbedarf etwas niedriger.

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Kräuter wie Dill, Thymian und Petersilie haben einen niedrigen Wasserbedarf – Foto © Malgorzata Ackermann

Kaum zu glauben, aber zu viel Wasser kann auch schaden. Vor allem zu häufiges Wässern kann nach hinten losgehen. Beispiel: Kohl. Zu viel und zu oft gegossen, werden die Köpfe zerplatzen. Eine andere Nebenwirkung sind die Pilzkrankheiten wie Tomaten- und Kartoffelfäule. Deshalb soll man beim Wässern die Blätter nicht nass machen. Gerade Tomaten sind hier besonders empfindlich. Wer ein Gewächshaus hat, sollte besonders darauf achten nicht großflächig zu gießen, sondern nur die Wurzelbereiche der Pflanzen zu wässern. Zu viel nasse Fläche verursacht ein sehr feuchtes Klima im Gewächshaus, was Pilzkrankheiten begünstigt.

Radieschen, wenn zu oft gegossen, bildet viel mehr und großere Blätte, die Knolle wird klein und verholzt – Foto © Malgorzata Ackermann

Radieschen, zu oft gegossen, bilden viel Grünmaße, die Knolle wird klein und verholzt – Foto © Malgorzata Ackermann

Oft höre ich: „Ich muss Gießen, die Blätter hängen durch!“. Nur wenn sie in einem Topf gepflanzt wurde, braucht die Pflanze sofort Wasser. Ansonsten sind hängende Blätter ein Zeichen dafür, dass es einfach zu heiß ist. Am Abend sieht sie wieder wie neu aus.

Ganz junge Pflanzen brauchen zum Anfang einen Boden der nie austrocknet. Irgendwann sollen sie aber auch mit geringer Feuchtigkeit auskommen können. Man kann seine Pflanzen dahin „erziehen“ mit weniger und selteneren Wassergaben zu gedeihen. Es funktioniert ganz einfach. Wenn die Pflanze nicht mehr so oft bewässert wird, muss sie tiefere und stärkere Wurzeln bilden, um ans Wasser und die Nährstoffe zu kommen.
Es ist sehr gut an einem Rasen zu beobachten. Ein Nachbar hat einen saftig grünen Rasen, der oft gedüngt und gesprengt wird. Der Rasen bildet nur schwache, flache Wurzeln.
Der andere Nachbar sprengt gar nicht, oder nur wenn es Wochen lang nicht geregnet hat, und düngt, wenn überhaupt, nur im Frühling. Und dann fahren beide für drei Wochen in Urlaub. Das Wetter ist heiß und trocken. Der schöne Rasen wird braun und trocken, womöglich geht er kaputt, bevor es mal geregnet hat. Der zweite wird auch braun, aber nach dem ersten Regen fängt er an zu wachsen. Der Rasen musste um jeden Wassertropfen „kämpfen“ dadurch hat er längere Wurzeln gebildet, das hat ihm über die Trockenzeit geholfen. So einfach ist das.

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Buschbohnen werden nach der Aussaat gar nicht gegossen, sonst keimen sie nicht – Foto © Malgorzata Ackermann

Und zum Schluss. Wasser wird kostbar, zumindest in Gartenanlagen wie der  meinen. Darum ist es sehr wichtig, mit dem Gießen sparsam zu sein. Es dauert eine Weile bis eine Wassertonne voll ist. Alleine deswegen wird man sparsamer. Das Gießen mit einer Kanne hat einen klaren Vorteil, man sieht, wie viel gegossen wird.  Mit dem Schlauch gießt man ohne zu wissen, wie viel Wasser verbraucht wird. Das Gießen mit einer Kanne mit abgestandenem  Wasser aus der Tonne hat einen weiteren Vorteil. Das Wasser hat in etwa die Lufttemperatur. So bekommen die Pflanzen beim Gießen keinen Kälteschock, was oft der Fall ist, wenn mit eisigem Leitungswasser gegossen wird.

Ja, liebe Gärtner, auch das richtige Gießen ist eine Kunst.

 

 

 

 

 

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